Warum ich keine Superwash-Wolle verkaufe – obwohl sie scheinbar so praktisch ist
Superwash-Wolle klingt zunächst nach einer perfekten Lösung:
Wolle, die nicht filzt und problemlos in der Waschmaschine gewaschen werden kann. Trotzdem findest du in meinem Shop keine Superwash-Wolle.
Warum?
Weil ich bei einem Garn nicht nur darauf schaue, wie einfach es sich waschen lässt. Mich interessiert, wie die Faser behandelt wurde, wie sie sich beim Stricken verhält und wie sich das fertige Kleidungsstück langfristig entwickelt.
Als studierte Mode- und Textildesignerin möchte ich die Eigenschaften eines Materials verstehen – und möglichst erhalten.
Was bedeutet Superwash?
Wolle besitzt eine schuppenartige Faseroberfläche. Unter Wärme, Bewegung und Reibung können sich diese Schuppen ineinander verhaken. Das Gestrick verfilzt.
Bei der Superwash-Ausrüstung wird die Oberfläche der Wollfaser chemisch behandelt, sodass die Schuppen weniger stark ineinandergreifen können. Häufig wird die Faser zusätzlich mit einer Polymerbeschichtung versehen. Dadurch können die Fasern beim Waschen weniger leicht ineinandergreifen.
Das Ergebnis ist eine Wolle, die weniger filzempfindlich und häufig maschinenwaschbar ist.
Die natürliche Struktur der Faser wird dafür jedoch gezielt verändert.
Und genau hier beginnt meine Kritik: Wolle ist ein hochwertiges Naturmaterial, das bereits von sich aus viele besondere Eigenschaften besitzt. Ich möchte diese Eigenschaften nicht unnötig verändern, nur damit die Pflege einfacher wird.
Was verändert sich durch die Ausrüstung?
Wie stark sich Superwash-Wolle verändert, hängt vom jeweiligen Verfahren, der Faserqualität und der Garnkonstruktion ab. Deshalb lässt sich nicht jede Superwash-Qualität über einen Kamm scheren.
Im Vergleich zu unbehandelter Wolle kann sie jedoch häufig:
glatter und weniger griffig wirken,
einen weniger ursprünglich wolligen Griff haben,
sich im Gestrick weicher oder fliessender verhalten,
beim Waschen stärker entspannen,
je nach Garnkonstruktion an Formstabilität verlieren.
Besonders wichtig ist dabei das Verhalten des fertigen Gestricks:
Durch die veränderte Faseroberfläche können die Fasern leichter aneinander vorbeigleiten. Unter Wasser, Wärme und Bewegung kann sich das Gestrick dadurch stärker ausdehnen. Ein Pullover kann nach dem Waschen also länger oder weiter sein als vorher.
Das bedeutet nicht, dass jede Superwash-Wolle automatisch wächst. Entscheidend sind auch die Garnkonstruktion, die Maschendichte, die Strickstruktur und das Gewicht des Kleidungsstücks. Deshalb ist die gewaschene Maschenprobe auch bei Superwash-Garnen besonders wichtig. Sie zeigt nicht nur, ob die Maschenzahl stimmt. Sie zeigt, wie sich genau dieses Garn in genau dieser Strickstruktur nach dem Waschen entwickelt.
Was hat das mit meiner SoN-Konstruktion zu tun?
Bei meiner SoN-Konstruktion ist das tatsächliche Materialverhalten besonders wichtig. Die Konstruktion beeinflusst, in welche Richtung die Maschen und das Garn im Kleidungsstück liegen. Ein Garn kann sich deshalb in einem klassisch gestrickten Pullover anders verhalten als in einem SoN-Modell.
Ich achte stets genau darauf, wie ein Garn:
Maschen bildet,
auf Zu- und Abnahmen reagiert,
sich bei verkürzten und verlängerten Reihen verhält,
nach dem Waschen seine Form behält,
und sich langfristig im Kleidungsstück entwickelt.
Wichtig ist mir: Material und Konstruktion müssen zusammenpassen.
Für mich reicht es deshalb nicht aus, wenn ein Garn lediglich weich ist und sich unkompliziert waschen lässt.
Die Umweltbelastung der Superwash-Ausrüstung
Auch die Herstellung spielt für meine Entscheidung eine Rolle.
Damit Wolle maschinenwaschbar wird, ist ein zusätzlicher Verarbeitungsschritt notwendig. Die Faser wird chemisch behandelt und je nach Verfahren zusätzlich beschichtet. Dafür werden Wasser, Energie und Hilfsstoffe benötigt. Zudem entstehen Prozessabwässer, die entsprechend behandelt werden müssen.
Wie hoch die Umweltbelastung tatsächlich ist, hängt vom jeweiligen Verfahren und den Produktionsbedingungen ab. Nicht jede Superwash-Wolle ist deshalb gleich zu bewerten.
Trotzdem bleibt für mich die Frage:
Muss eine natürliche Faser chemisch verändert werden, damit sie sich einfacher pflegen lässt?
Meine Antwort lautet:
Für mein Sortiment möchte ich diesen Weg nicht gehen.
Warum ich naturbelassene Wolle bevorzuge
Ich bin nicht grundsätzlich gegen jede technische Ausrüstung. In der Textilindustrie können Veredelungen sinnvoll und notwendig sein.
Bei meinen Strickgarnen lege ich jedoch Wert darauf, dass die natürliche Qualität der Faser möglichst erhalten bleibt.
Ich bevorzuge Garne, bei denen ich die Faser, die Garnkonstruktion und das Strickverhalten nachvollziehen kann. Dazu gehören naturbelassene Wollqualitäten, aber auch Garne aus anderen natürlichen Fasern wie Alpaka, Yak, Seide, Baumwolle oder Leinen.
Ein Kleidungsstück muss für mich nicht vollkommen pflegefrei sein.
Wenn ich viele Stunden an einem Pullover stricke, möchte ich ihn so pflegen, dass seine Materialeigenschaften und seine Form möglichst lange erhalten bleiben. Wolle muss häufig nicht nach jedem Tragen gewaschen werden. Oft reicht es, das Kleidungsstück auszulüften und nur bei Bedarf schonend zu waschen.
Fazit: Pflegeleichtigkeit ist nicht alles
Superwash-Wolle kann praktisch sein. Sie ist weniger filzempfindlich und für viele Menschen deshalb attraktiv.
Für meine Garnauswahl ist die Waschbarkeit aber nicht das wichtigste Kriterium.
Ich möchte die natürlichen Eigenschaften der Wolle möglichst erhalten und keine Ausrüstung unterstützen, die vor allem dazu dient, ein Naturmaterial an eine besonders unkomplizierte Pflege anzupassen.
Deshalb findest du in meinem Shop keine Superwash-Wolle, sondern bewusst ausgewählte naturbelassene Garne für Strickstücke, die du lange tragen und gerne behalten möchtest.
Gut zu wissen: Ich wasche alle meine Stricksachen in der Waschmaschine! Jedoch im Wollwaschgang + max. 20Grad + max. bei 600Umdrehungen
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Hier findest Du einen passenden Beitrag über "Meine Philosophie | Stricken ohne Naht – Naturgarne, Materialwissen & Strickdesign".
Und nun viel Freude beim Aussuchen & Stricken deines Modells aus einem Naturgarn!
Sende dir ganz herzliche Strickgrüße
Irina







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