Naturgarne – warum ich für sie brenne und was sie so besonders macht
- vor 15 Stunden
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Supersoft. Supernatürlich.
Manchmal ist es Liebe bei der ersten Berührung.
Genau so ging es mir mit Naturgarnen. Diese besondere Weichheit, die Wärme, die Leichtigkeit – und gleichzeitig das gute Gefühl zu wissen, dass die Schönheit der Faser nicht künstlich erzeugt wurde, sondern direkt aus der Natur kommt.
Anziehen. Durchatmen. Wohlfühlen.
Naturgarne sind für mich weit mehr als nur Material. Sie sind die Grundlage für Kleidungsstücke, die man nicht nur trägt, sondern erlebt. Sie wärmen nicht nur den Körper, sondern auch die Sinne. Jede Faser erzählt ihre eigene Geschichte. Jede Masche trägt ein kleines Stück Natur in sich.
Wie alles begann
Meine Liebe zu Naturgarnen begann 2018 mit einem reinen Alpaka-Garn.
Bis dahin hatte ich mich – wie viele Strickerinnen – vor allem mit Farben, Anleitungen und Modellen beschäftigt. Doch als ich zum ersten Mal ein naturbelassenes Alpaka-Garn in den Händen hielt, war ich fasziniert.
Es war nicht nur die unglaubliche Weichheit. Es war vor allem die Haptik. Das Garn fühlte sich lebendig an. Angenehm, natürlich und gleichzeitig wunderbar geschmeidig. Und dann war da noch der Fall des Gestricks: weich fließend, elegant und ganz anders, als ich es von vielen anderen Garnen kannte.
Genau aus diesem Garn entstand der MARLA-Pulli:
Mindestens genauso faszinierend fand ich die Farben. Oder besser gesagt: die Tatsache, dass sie nicht gefärbt war. Das sanfte Beige, das warme Braun oder die natürlichen Grautöne waren nicht das Ergebnis eines Färbeprozesses, sondern entstanden direkt in der Natur.
Dieser Moment hat meinen Blick auf Garne verändert und mich zum Nachdenken gebracht. Seitdem begeistern mich stets die Fasern am meisten, die ihre natürliche Schönheit zeigen dürfen.
Was sind Naturgarne?
Als Naturgarne bezeichnet man Garne, die aus natürlichen Fasern hergestellt werden. Dazu gehören Tierfasern wie Schafwolle, Alpaka oder Yak, aber auch pflanzliche Fasern wie Baumwolle, Leinen oder Hanf.
In diesem Beitrag geht es vor allem um naturbelassene Tierfasern. Also Garne, die ihre ursprüngliche Farbe behalten haben und deren natürlicher Charakter sichtbar & spürbar bleibt.
Sehr spannend finde ich, dass die natürlichen Farbtöne von Cremeweiß über Beige und Grau bis hin zu warmen Braun- und Anthrazittönen reichen. Gerade diese Farbvielfalt macht sie für mich so besonders.
Warum ich Naturgarne so liebe
Bei meinen Workshops freue ich mich immer besonders auf einen bestimmten Moment: Wenn Teilnehmerinnen meine Modelle zum ersten Mal in die Hand nehmen. So oft höre ich Sätze wie:
"Oh, ich hätte nie gedacht, dass Naturgarne so weich sein können!"
Viele Strickerinnen verbinden naturbelassene Garne mit kratziger und rustikaler Wolle. Ob ein Garn jedoch kuschelig weich oder eher "kernig" ist, hängt nicht davon ab, ob es gefärbt wurde oder nicht – sondern vor allem von der Feinheit der Fasern.
Warum Naturgarne nicht automatisch kratzen
Einer der größten Irrtümer rund um Naturgarne ist die Annahme, dass ungefärbte oder naturbelassene Wolle zwangsläufig kratzig sein müsse.
Tatsächlich hat die Weichheit eines Garns eher wenig mit seiner Farbe oder seiner natürlichen Herkunft zu tun. Entscheidend ist vielmehr, welche Fasern verarbeitet wurden.
Jede Tierfaser besitzt unterschiedliche Feinheitsbereiche. Die weichsten Fasern wachsen direkt an der Haut des Tieres, während die äußeren Fasern gröber und robuster sind. Für hochwertige, sehr weiche Garne werden häufig nur die feinsten Fasern ausgewählt.
Aus diesem Grund kann ein naturbelassenes Garn unglaublich weich sein und oft sogar noch weicher als gefärbte Garne, weil die Farbpigmente die Haptik eines Garnes verändern.
Was bedeutet Mikron bei Wolle?
Die Feinheit einer Faser wird in Mikron (µm) gemessen.
Je niedriger der Mikron-Wert, desto feiner und biegsamer ist die Faser. Und genau diese Biegsamkeit empfinden wir als Weichheit auf der Haut.
Zum Vergleich:
Menschliches Haar etwa 50 bis 150 Mikron
Feine Merinowolle etwa 17 bis 24 Mikron
Yak-Unterwolle etwa 16 bis 20 Mikron
Baby-Alpaka etwa 18 bis 22 Mikron
Fasern mit rund 15 Mikron fühlen sich außergewöhnlich weich an. Fasern mit 40 Mikron oder mehr sind deutlich gröber und werden eher für robuste Stricksachen wie Teppiche, Taschen o.Ä. verwendet.
Kurz gesagt: Je niedriger der Mikron-Wert, desto feiner die Faser und desto weicher das Garn.
Meine Lieblingsfasern: Yak und Alpaka
Wenn mich jemand fragt, welche Naturfasern mich besonders begeistern, dann sind es ganz klar Yak und Alpaka.
Yakfasern stammen aus der weichen Unterwolle der Yaks, die in den Hochlagen Zentralasiens leben. Die Fasern sind wunderbar weich, leicht und gleichzeitig ausgesprochen wärmend. Besonders liebe ich die natürlichen Braun- und Grautöne, die ganz ohne Färbung auskommen und eine besondere Tiefe besitzen. Die Firma fonty bietet eine Vielzahl an Yak-Garnen an und benutzt bewusst unterschiedliche Naturfarben, um melierte Garne zu erzeugen.
Alpakafasern speichern Wärme hervorragend und fühlen sich gleichzeitig federleicht an. Gerade Baby-Alpaka gehört zu den weichsten Naturfasern überhaupt. Die Fasern besitzen einen wunderschönen Fall und verleihen Strickstücken eine elegante Leichtigkeit.
Warum die Alpakas auch "Landschaftsgestalter" genannt werden, kannst du in diesem Blogbeitrag lesen:
Sowohl Yak als auch Alpaka vereinen für mich das, wonach ich bei Naturgarnen suche: Weichheit, Natürlichkeit, Langlebigkeit und einen respektvollen Umgang mit Tieren, der Umwelt und wertvollen Rohstoffen.
Warum ich naturbelassene Garne so schätze
Was mich an naturbelassenen Garnen besonders fasziniert, ist ihre Ursprünglichkeit. Denn je weniger eine Faser verarbeitet wird, desto mehr ihrer natürlichen Eigenschaften bleiben erhalten. Die Faser kann ihre ursprüngliche Struktur bewahren und ihre natürlichen Vorzüge voll ausspielen:
Wärme, Atmungsaktivität, Feuchtigkeitsregulierung und ein angenehmes Tragegefühl.
Naturfasern sind kleine bzw. grosse Wunderwerke. Sie können Wärme speichern, Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben und sorgen dadurch für ein ausgeglichenes Körperklima.
Natürlich bedeutet das nicht, dass ich ausschließlich mit naturbelassenen Garnen arbeite. In meinem Sortiment findest du auch wunderschöne GOTS-zertifiziert gefärbte Qualitäten.
Trotzdem schlägt mein Herz besonders für ungefärbte Garne. Sie zeigen die Faser in ihrer ursprünglichsten Form. Ohne Ablenkung. Ohne Verkleidung. Einfach so, wie die Natur sie geschaffen hat.
Naturgarne sind deshalb so besonders, weil sie nicht nur Material, sondern ein spürbares Naturerlebnis sind – sie regulieren Temperatur, sind atmungsaktiv und fühlen sich je nach Faser unglaublich unterschiedlich an.
Weichheit ist nicht alles
So verführerisch superweiche Garne auch sind – jede Faser hat ihren Zweck.
Feine Fasern schenken uns ein luxuriöses Tragegefühl. Gröbere Fasern dagegen punkten oft mit Stabilität, Formbeständigkeit und Langlebigkeit.
Deshalb lohnt es sich immer, den Verwendungszweck eines Strickstücks im Blick zu behalten. Ein zartes Halstuch und ein feiner Pullover, die direkt auf der Haut getragen werden, haben andere Anforderungen als eine robuste Jacke oder ein Outdoor-Projekt.
Kräftige Faser = kräftig in Sachen Haltbarkeit.
Nicht jede Wolle muss sich anfühlen wie eine Wolke. Manche Garne dürfen Charakter zeigen. Bei einigen meiner Garne aus Großbritannien schreibe ich deshalb bewusst dazu, dass sie eher rustikal sind. Wer sehr empfindlich auf Wolle reagiert, wird mit einer feinen Yak- oder Alpakaqualität wahrscheinlich glücklicher sein als mit einer traditionellen, robusten Schurwolle.
Hochwertige Wolle ist kein kurzlebiges Trendmaterial - sondern ein Produkt, an dem man lange Freude haben darf.
Die Schönheit der Naturfarben für zeitlose & kombinierfreundliche Modelle
Viele meiner Strickstücke entstehen in Naturtönen. Nicht nur, weil ich sie schön finde, sondern weil sie unglaublich vielseitig sind.
Creme, Beige, Braun, Grau oder Anthrazit lassen sich mühelos kombinieren. Sie ordnen sich einer Garderobe unter, statt mit ihr zu konkurrieren. Genau deshalb sind sie oft die Grundlage einer zeitlosen Strickgarderobe.

Vielleicht liegt darin ihre besondere Stärke: Sie werden nie laut. Sind sichtbar. Aber sie bleiben für die Ewigkeit.
Die perfekte Masche für uns StrickerInnen und die Natur
Naturgarne haben mich gelehrt, dass Luxus nicht laut sein muss.
Manchmal genügt eine federleichte Faser, die Wärme als ein Halstuch spendet. Ein Garn, das sich an die Haut schmiegt. Ein Kleidungsstück, das mit den Jahren sogar noch schöner wird. Ich vergleiche naturbelassene Garne gerne mit Leder, seiner Patina und dem eigenständigen Charakter:
In Würde altern und noch schöner werden kann nur die Natur. Für mich ist genau das die Magie der Naturgarne.
Natürlich. Sinnlich. Anschmiegsam.
Und in jeder Masche steckt ein kleines Stück davon.
Ich hoffe, dir hat das heutige Thema "Die Magie der Naturgarne" in diesem Beitrag gefallen.
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Hier findest Du einen passenden Beitrag über die Besonderheit der Pima-Baumwolle "Warum Bio-Pima-Baumwolle so besonders ist – und warum ich mich in die Sotton verliebt habe".
Und nun viel Freude beim Aussuchen & Stricken deines Modells aus Pima-Baumwolle!
Sende dir ganz herzliche Strickgrüße
Irina















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