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Gleichmäßiges Maschenbild beim Stricken: Warum dein Strickstück so aussieht, wie es aussieht

  • vor 2 Tagen
  • 6 Min. Lesezeit

Von Garnkonstruktion bis Fadenspannung – ich als Textildesignerin erkläre dir, wie ein ruhiges Maschenbild entsteht


ein gestreiftes Top aus Bio-Pima-Baumwolle mit einem gleichmäßigen Maschenbild
ein gestreiftes Top aus Bio-Pima-Baumwolle mit einem gleichmäßigen Maschenbild

Ein gleichmässiges Maschenbild beim Stricken entsteht nicht zufällig.

Garn, Nadelstärke, Material und deine persönliche Fadenspannung beeinflussen, wie gleichmäßig und harmonisch dein Strickstück am Ende aussieht.


Du hast die richtige Wolle gekauft, die empfohlene Nadelstärke gewählt und genau nach Anleitung gestrickt. Trotzdem sieht dein Strickstück ganz anders aus als auf dem Foto?


Mit dieser Erfahrung bist du nicht allein. Viele Strickerinnen fragen sich:


  • Warum wirkt mein Strickstück unruhig?

  • Warum erscheinen die Maschen größer oder kleiner?

  • Warum fällt mein Pullover anders?

  • Warum sieht das gleiche Garn bei anderen völlig anders aus?


Die Antwort liegt oft im Strickbild.

Das Strickbild ist die Summe aller Entscheidungen, die vor und während des Strickens getroffen werden. Wenn du sie verstehst, kannst du schon vor dem Stricken besser einschätzen, wie dein fertiges Projekt aussehen wird.

Was ist das Maschenbild?


Als Maschenbild bezeichnet man das Erscheinungsbild einer gestrickten Oberfläche.


Dazu gehören unter anderem:

  • die Gleichmäßigkeit der Maschen

  • die Gesamtoberfläche

  • die Struktur

  • der Fall des Gestricks

  • die Wirkung von Mustern

  • die Klarheit einzelner Maschen


Die Strickoberfläche entscheidet darüber, ob ein Strickstück weich und fließend wirkt, plastische Strukturen zeigt oder besonders klar und präzise erscheint.


links: Strickoberfläche aus gebürsteten Garnen wirkt verschwommen

rechts: Die Strickoberfläche aus einem gewalkten Garn wirkt sehr präzise und jede Masche ist deutlich zu erkennen.

Welche Faktoren beeinflussen das Maschenbild?


Das Maschenbild entsteht nie nur durch das Garn oder nur durch die Strickerin. Erst das Zusammenspiel mehrerer Faktoren bestimmt das Ergebnis.

Die wichtigsten sind:

  • Garnkonstruktion, z.B. Streich-, Docht-, Schlauchgarn)

  • Material der Fasern, z.B. Schafschurwolle, Alpaka, Baumwolle

  • Nadelstärke

  • persönliche Fadenspannung


Schauen wir uns diese Punkte genauer an und ich als studierte Mode- & Textildesignerin erkläre dir die wichtigsten Aspekte eines stimmigen Maschenbildes.

1. Die Garnkonstruktion – der größte Einfluss auf das Maschenbild

Für mich ist die Garnkonstruktion einer der wichtigsten Faktoren überhaupt.

Schon bevor eine einzige Masche gestrickt wird, legt die Konstruktion des Garns fest, wie das Strickstück später wirken kann.


Einige Beispiele:



  • Dochtgarne, ergeben ein weiches, flauschiges Maschenbild


  • fest verzwirnte Garne, wie z.B. ein Kammgarn, zeigen jede Masche sehr deutlich


  • Bouclé-, Schlauch- oder gebürstete Garne erzeugen lebendige Oberflächen


Deshalb können zwei Garne aus derselben Faser völlig unterschiedlich aussehen.

Ein Merinogarn ist eben nicht einfach ein Merinogarn, sondern die Garnkonstruktion bestimmt die fertige Optik.



obere Galerie zeigt das Garn, unteren Galerie das verstrickte Garn


jeweils oben von links nach rechts: Streichgarn, Kammgarn, Dochtgarn

jeweils unten von links nach rechts: Bouclégarn, Schlauchgarn, gebürstetes Garn



2. Das Material verändert die Wirkung


Nicht jede Faser verhält sich gleich.

Jede Faser besitzt ihre eigenen Eigenschaften und beeinflusst damit das Maschenbild.


  • elastisch

  • springt nach dem Dehnen gut in ihre ursprüngliche Form zurück

  • sorgt für ein gleichmäßiges, ruhiges Maschenbild

  • Muster und Strukturen wirken klar und plastisch


  • besonders weiche Fasern

  • weniger elastisch als Schurwolle

  • fließender, fast seidiger Fall

  • feine Härchen lockern die Oberfläche auf, wodurch das Maschenbild weicher und weniger scharf definiert erscheint


  • klar definierte Maschen bei gleichmässiger Fadenspannung

  • kaum elastisch, deshalb wirkt sich eine ungleichmäßige Fadenspannung schneller auf das Maschenbild aus

  • eher schwerer Fall, das Gestrick zieht sich nach unten

  • Struktur- und Lochmuster erscheinen besonders deutlich


Leinen

  • anfangs etwas fester im Griff

  • wird mit dem Tragen & Waschen weicher

  • erzeugt eine lebendige Struktur

  • kaum elastisch, dadurch wirkt das Maschenbild weniger gleichmäßig als bei Schurwolle


  • aussergewöhnlich weiche Fasern

  • matte Oberfläche

  • besonders gleichmäßiges, edles Maschenbild durch die feinen Fasern

  • verleiht dem Gestrick eine edle, zurückhaltende Ausstrahlung


Durch die unterschiedlichen Eigenschaften der Fasern wirkt ein Muster aus Baumwolle oft ganz anders als dasselbe Muster aus Alpaka.



Ein Modell, eine Maschenprobe, vier unterschiedliche Looks, vier unterschiedliche Garne, drei unterschiedliche Fasern

oben links: Kammgarn aus Yak

oben rechts: gebürstetes Garn aus Alpaka

unten links: Bändchengarn aus Baumwolle

unten rechts: Streichgarn aus Baumwolle

3. Die Nadelstärke verändert mehr als nur die Größe


Viele glauben, die Nadelstärke beeinflusse lediglich die Maschenprobe.

Tatsächlich verändert sie das gesamte Erscheinungsbild. Wenn wir das gleiche Garn mit kleineren und grösseren Nadeln verstricken, entsteht genau das hier:


Würde man eine Qualität mit unterschiedlich grossen Nadeln verstricken, entstehen ganz unterschiedliche Maschenbilder.


Mit kleineren Nadeln entstehen:

  • kompaktere Maschen mit voluminöserer Oberfläche

  • deutlichere Strukturen erkennbar

  • mehr Formstabilität

  • deutlich mehr Stand


Größere Nadeln sorgen dagegen für:

  • mehr Luft zwischen den Maschen, Licht fällt tiefer zwischen den Maschen

  • ein deutlich weicherer Fall

  • ein lockeres Gestrick

  • geben Raum zum "Atmen" bei bestimmten Garnarten, z.B. gebürstet, Schlauch-, Bouclégarn


Schon eine halbe Nadelstärke kann das Maschenbild deutlich verändern. Aus diesem Grund lohnt es sich immer, eine Maschenprobe zu machen, diese zu waschen und dann zu entscheiden, ob das Maschenbild dem entspricht, was man erreichen möchte.




Maschenprobe mit unterschiedlichen Nadeln
Ein Garn, vier Maschenproben mit vier unterschiedlichen Nadelstärken

5. Die Fadenspannung ist so individuell wie deine Handschrift


Jede Strickerin strickt etwas anders.

Manche arbeiten sehr locker.

Andere ziehen den Faden stärker an.


Selbst wenn zwei Strickerinnen dieselbe Anleitung und dasselbe Garn verwenden, entstehen oft zwei unterschiedliche Maschenbilder.

Wichtig: Beides ist weder richtig noch falsch.


Die persönliche Fadenspannung beeinflusst:

  • die Maschengröße

  • die Gleichmäßigkeit

  • den Fall

  • die Wirkung des gesamten Strickstücks.


Deshalb sehen selbst identische Garne und Anleitungen bei verschiedenen Strickerinnen unterschiedlich aus.


Mein Tipp: Es gibt unterschiedliche Arten, wie und wie oft der Arbeitsfaden um den Finger gewickelt wird. Eventuell lässt sich die Fadenspannung mit einer anderen Art der Fadenhaltung ändern.


Warum sieht mein Strickstück anders aus als auf dem Foto?


Diese Frage höre ich besonders häufig.

Die Antwort lautet fast immer:

Nicht nur ein Faktor ist verantwortlich.


Vielleicht verwendest du

  • ein ähnliches, aber anders konstruiertes Garn

  • eine andere Nadelstärke

  • eine festere Fadenspannung

  • oder eine Faser mit völlig anderen Eigenschaften

  • eine andere Farbe kann ein Muster komplett anders wirken:


Dunkle Garne lassen Strukturmuster optisch zurücktreten.

Helle Garne zeigen jede Masche.

Mélangegarne beruhigen ein ungleichmässiges Maschenbild.

Uni-Garne zeigen jede Unregelmäßigkeit.


Schon kleine Unterschiede addieren sich zu einem völlig anderen Maschenbild.


eine Modell, eine Anleitungen, vier Strickstücken aus vier verschiedenen Garnen
das gleiche Modell, OROS Pullunder, vier unterschiedliche Versionen (von hinten nach vorne): in grau aus einem Schlauchgarn aus BW+Alpaka+Merino, in weiss aus einem Streichgarn aus Schurwolle & gebürsteten Garn aus Alpaka, in braun aus einem Bändchengarn aus Leinen, in beige aus einem gebürsteten Garn aus 100% Alpaka

Deshalb achte ich bei der Garnauswahl so genau auf die Konstruktion


Während beim Stricken häufig nur über Fasern gesprochen wird, beginnt ein harmonisches Maschenbild aus meiner Sicht schon viel früher – nämlich bei der Konstruktion des Garns.


Mich interessiert zunächst:

  • Wie wurde das Garn aufgebaut?

  • Wie ist es gesponnen?

  • Wie verhält sich die Faser?

  • Welche Oberfläche entsteht später?


Denn genau diese Eigenschaften bestimmen, wie ein Modell am Ende wirkt.

Aus diesem Grund findest du in meinem Shop bewusst Garne mit sehr unterschiedlichen Charakteren. Jedes Garn eröffnet eigene gestalterische Möglichkeiten und eignet sich für bestimmte Modelle besonders gut.


Faser, Spinnart und Zwirnung wirken gemeinsam – kein einzelner Faktor erklärt das fertige Strickbild.


Maschenbild des COCO-Cardigans aus einem britischen Schurwollgarn und einem gebürsteten Alpaka- & Seidengarn
Maschenbild des COCO-Cardigans aus einem britischen Schurwollgarn und einem gebürsteten Alpaka- & Seidengarn

So verbesserst du dein Maschenbild

Wenn du mit deinem Strickstück nicht ganz zufrieden bist, lohnt sich ein Blick auf diese Punkte:

  • Wähle ein Garn, das zum gewünschten Projekt passt - im Zweifelsfall immer das Originalgarn verwenden.


  • Probiere bei Bedarf eine andere Nadelstärke oder sogar eine andere Nadel, zB. Metall statt Holz, aus. Unterschätze niemals die Veränderung bei einer unpassenden Nadelstärke.


  • Stricke & wasche eine Maschenprobe, um ein genaueres Bild von deinem fertigen Strickstück zu bekommen. Gute Vorbereitung ist das A & O.


  • Achte auf eine gleichmäßige Fadenspannung. Vor allen Dingen die linken Maschen werden von vielen StrickerInnen lockerer als rechte Maschen gestrickt. Tipp: Die linken Maschen mit einer halben Nadelstärke kleiner stricken.


  • Berücksichtige die Eigenschaften der verwendeten Faser und die Auswirkungen auf das fertige Strickstück.


  • Auch unser Wohlbefinden wirkt sich auf die Optik des Maschenbildes aus.


Oft reicht bereits eine kleine Veränderung, damit das Maschenbild deutlich harmonischer wirkt.


Faktor

Wirkung

Garnkonstruktion

größter Einfluss

Faser

Elastizität und Fall

Nadel

Dichte

Fadenspannung

Gleichmäßigkeit

Waschen

endgültige Optik


Mein Fazit

Ein schönes Maschenbild entsteht nicht zufällig.

Es ist das Ergebnis aus Garnkonstruktion, Fasereigenschaften, Nadelstärke und deiner persönlichen Art zu stricken.


Je besser du diese Zusammenhänge verstehst, desto leichter fällt es dir, das passende Garn für dein nächstes Projekt auszuwählen und genau das Strickstück zu erhalten, das du dir vorgestellt hast.


Denn manchmal entscheidet nicht die Anleitung über das Ergebnis – sondern das Wissen & die Erfahrung darüber, wie Maschen entstehen und warum sie so aussehen, wie sie aussehen.


  1. Garnkonstruktion – legt den Charakter des Maschenbildes fest.

  2. Nadelstärke – verändert Dichte und Fall.

  3. Faser – beeinflusst Elastizität und Oberfläche.

  4. Fadenspannung – gibt dem Ganzen deine persönliche Handschrift.

Ich hoffe, dir hat das heutige Thema "Maschenbild" in diesem Beitrag gefallen.

Gerne kannst du den Beitrag auch an andere weiterleiten oder weiterempfehlen – darüber würde ich mich sehr freuen!



Und nun viel Freude beim Aussuchen & Stricken deines passenden Modells mit einem passenden Maschenbild!


Sende dir ganz herzliche Strickgrüße

Irina




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