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MARLA-Pulli stricken – ein Pullover, der fast nur aus rechten Maschen besteht

  • vor 3 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Kann ein Pullover, der fast nur aus rechten Maschen besteht, überhaupt spannend zu stricken sein?


Ein Pullover, der fast nur aus rechten Maschen besteht – klingt erst einmal nach einer langen, gleichförmigen Strickarbeit. Der MARLA-Pulli zeigt jedoch, dass viele rechte Maschen nicht automatisch bedeuten, endlose Runden in glatt rechts zu stricken und dass dieser Sweater alles andere als gewöhnlich ist.


Der MARLA-Pulli gehört zu den ersten Modellen von Stricken ohne Naht – und trotzdem hat er bis heute nichts von seiner Aktualität verloren.


MARLA-Pulli zusammen im Outfit mit dem KOSI-Schal
MARLA-Pulli zusammen im Outfit mit dem KOSI-Schal

Bereits 2019 entstand dieser besondere Pullover aus meiner Idee heraus, Kleidungsstücke anders zu denken. Als studierte Mode- und Textildesignerin fasziniert mich die Frage, wie aus einer einfachen geometrischen Form ein dreidimensionales Kleidungsstück entstehen kann – nicht aus klassischen Vorder-, Rück- und Seitenteilen, – und auch nicht aus einer typischen Raglan-Konstruktion – sondern Schritt für Schritt aus Formen, die sich miteinander verbinden.


Die besondere Wirkung des MARLA-Pullis entsteht durch das Zusammenspiel aus ungewöhnlicher Konstruktion, klarer Linienführung und einem besonders ausdrucksvollem Fall dank einem hochwertigen Naturgarn.

Eine ungewöhnliche Konstruktion aus zwei Dreiecken


Der MARLA-Pulli beginnt nicht klassisch am Bündchen oder am Hals.


Die Konstruktion startet mit einem Dreieck, das zunächst genau die Hälfte der späteren Saumweite bildet. Doch danach wächst dieses Dreieck nicht weiter in die Breite, sondern entwickelt sich ausschliesslich in die Höhe.


Möglich wird diese besondere Form durch verkürzte Reihen.

Durch sie verändert sich auch die spätere Strickrichtung: Aus zwei flachen Dreiecken entsteht Schritt für Schritt ein dreidimensionaler Rumpfbereich des Pullovers.


Diese Art der Konstruktion findet sich bei den späteren SoN-Modellen nicht exakt in dieser Form wieder und macht den MARLA-Pulli zu einem besonderen Beispiel innerhalb meiner Strickkonstruktionen.


MARLA-Pulli aus reiner Alpaka
Viele rechte Maschen – aber keine endlosen, monotonen Runden.

Nachdem das erste Dreieck fertiggestellt ist, wird ein zweites identisches Dreieck gearbeitet. Erst danach werden beide Teile miteinander verbunden.


Anschließend entsteht zunächst nur die rechte Seite des Pullovers. Während dieser Arbeitsphase werden die Maschen für die linke Seite stillgelegt – sie verbleiben auf einer Zusatznadel und werden erst später weitergestrickt. Nachdem weiterhin in Reihen der halbe Halsausschnitt entstanden ist, wird die rechte Pullipartie zur Runde geschlossen und nach der Schulter wird der Ärmel in glatt rechts gestrickt. Zum Schluss folgt die lange Ärmelblende in kraus recht. Danach wird die linke Seite identisch gearbeitet.


Aus zwei geometrischen Formen entwickelt sich so Schritt für Schritt ein kompletter Pullover. Der MARLA-Pulli zeigt sehr deutlich, was ich unter geometrischem Stricken verstehe und dass „Stricken ohne Naht“ nicht bedeutet, dass einfach nur in Runden gestrickt wird. Die Form entsteht durch die gezielte Veränderung der Strickrichtung.


technische Zeichnung für den MARLA-Pulli
Bei 1) ist der Strickbeginn, nach der Fertigstellung von 6) werden die beiden Ärmelbündchen abgekettet

Die Besonderheit liegt in der Strickrichtung


Eine Besonderheit des MARLA-Pullovers liegt in der Arbeitsweise des Rumpfbereichs: Der gesamte Rumpf wird in Reihen gearbeitet und besteht ausschließlich aus rechten Maschen. Erst die Schulterpartien und die Ärmel werden später in Runden gestrickt.


Dadurch treffen unterschiedliche Strickrichtungen aufeinander. Das Rumpfteil zeigt die ruhige, strukturierte Oberfläche von kraus rechts, während die Ärmel glatt rechts gearbeitet werden. Diese bewusste Veränderung erzeugt eine spannende Oberfläche und verleiht dem Gestrick eine besondere Bewegung.


Die senkrecht verlaufende Mittellinie ist deutlich zu erkennen.
Die senkrecht verlaufende Mittellinie ist deutlich zu erkennen.

Ein charakteristisches Detail ist die senkrechte verlaufende Mittellinie, die durch Zunahmen erzeugt wird. Die Seiten- und Schulterlinie entstehen ebenfalls durch die Konstruktion und zwar durch Abnahmen: klare Linien, die die großzügige Silhouette des Pullovers strukturieren und dazu führen, dass ein nahtlos gestricktes Modell nicht ausleiert.


Gerade diese Details zeigen, wie bei SoN die Konstruktion selbst zum Gestaltungselement wird: Nicht ein aufwendiges Muster steht im Mittelpunkt, sondern die gezielte Führung der Strickrichtung.

Reduktion statt Muster


Der MARLA-Pulli lebt nicht von aufwendigen Mustern. Etwa fünf Sechstel des gesamten Pullovers bestehen aus rechten Maschen - entweder in Reihen oder für den Ärmel in Runden gestrickt.

Gerade diese bewusste Reduktion entstand aus meinem Wunsch heraus, viele rechte Maschen und wenige linke Maschen zu stricken. Allerdings wird es nie langweilen, denn die Zu- & Abnahmen sorgen immer wieder für "Unterbrechungen" in den Reihen bzw. Runden.

Das Material bestimmt die Wirkung


Für den MARLA-Pulli habe ich ein kompaktes 100 % Alpaka-Garn verwendet, dass als Kammgarn verponnen wird. Mit seiner Lauflänge von etwa 200m auf 100g gehört es zu den kräftigeren Garnen und bringt genau die Eigenschaften mit, die dieses Design benötigt.


Das dichte Alpaka-Garn sorgt für:

  • einen schönen, fließenden Fall

  • eine besondere Schwere im Gestrick

  • eine ruhige, hochwertige Oberfläche

  • eine definierte Silhouette


Gerade die weiten Fledermausärmel profitieren von diesem Material. Das Garn gibt ihnen genügend Gewicht, sodass sie prägnant fallen und trotzdem ihre besondere Form behalten.


Die Fledermausärmel des MARLA-Pullis aus Alpaka
Die Fledermausärmel des MARLA-Pullis aus Alpaka



Gut zu wissen: Ein leichteres Garn würde den Charakter des Pullovers deutlich verändern. Wenn du einen leichteren & dünneren MARLA-Pulli haben möchtest, empfehle ich dir das Wollpaket mit der Semilla Melange.


MARLA-Pulli aus Semilla Melange von BC Garn
MARLA-Pulli aus Semilla Melange von BC Garn: die reine Schurwolle bringt mehr Stand und zieht sich weniger in die Länge.

Warum der MARLA-Pulli auch heute noch modern wirkt


Mode verändert sich – gute Konstruktionen bleiben.


Der MARLA-Pulli folgt keinem kurzlebigen Trend, sondern basiert auf einer klaren Formidee:


  • großzügige Silhouette

  • reduzierte Muster

  • besondere Linienführung

  • hochwertige Naturfasern


Genau diese Kombination macht ihn zeitlos. Die Konstruktion fällt nicht sofort durch komplizierte Muster auf, sondern durch ihre Ruhe und ihre ungewöhnliche Form.

Ein Detail, das die Konstruktion sichtbar macht


Beim MARLA-Pulli entstehen die Zunahmen durch Umschläge auf der Vorderseite.

Diese werden auf der Rückseite rechts abgestrickt und erzeugen dadurch kleine Lochdetails.


Gut zu wissen: Wer jedoch eine geschlossenere Oberfläche bevorzugt, kann die Umschläge auch rechts verschränkt abstricken und somit die Löchlein schliessen.


Dieses kleine technische Detail zeigt, wie stark bei der SoN-Konstruktion Funktion und Gestaltung miteinander verbunden sind.


MARLA-Pulli aus reinem Bio-Leinen: die Zunahmen an der vorderen Mitte sind deutlich sichtbar.
MARLA-Pulli aus reinem Bio-Leinen: die Zunahmen an der vorderen Mitte sind deutlich sichtbar.

Ein Pullover mit besonderer Präsenz


Der MARLA-Pulli ist eines der Modelle, an denen man besonders gut erkennen kann, was die SoN-Konstruktion ausmacht:


Nicht die Dekoration steht im Mittelpunkt, sondern die Form. Keine komplizierte Technik steht im Vordergrund, sonder eine bewusst eingesetzte Strickrichtung und zwei Dreiecke verbinden sich zu einem Kleidungsstück, das bequem, außergewöhnlich und zeitlos ist.


Ein Modell aus den ersten Jahren von Stricken ohne Naht – und eines, das auch heute noch zeigt, wie viel Ausdruck in einer durchdachten Konstruktion steckt und wie modern diese Strickanleitung immer noch ist.


Ich hoffe, dir hat das heutige Thema "MARLA-Pulli stricken "  in diesem Beitrag gefallen.


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Wenn du noch andere meiner Strickkonstruktionen ausprobieren möchtest, empfehle ich dir den Beitrag "COCO-Weste Top Down stricken - wie eine Weste auch als Tuch getragen werden kann".


Und nun viel Freude beim Ausprobieren meiner Pulli-Konstrukion!


Sende dir ganz herzliche Strickgrüße

Irina

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