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Muss Sockenwolle Superwash sein? Was eine Socke wirklich langlebig macht

vor 5 Stunden
7 Min. Lesezeit

Socken müssen einiges aushalten.


Sie werden getragen, gedehnt, bewegt, im Schuh gerieben und regelmäßig gewaschen. Kein anderes Strickstück wird wahrscheinlich jeden Tag einer solchen Belastung ausgesetzt.



Deshalb stellt sich beim Sockenstricken eine wichtige Frage:

Was macht eine Socke eigentlich langlebig?


Viele denken dabei zuerst an klassisches Sockengarn – und damit oft auch an Superwash-Wolle. Superwash ist eine Behandlung der Wollfasern, die sie so verändert, dass die typische Verfilzungsneigung der Wolle deutlich reduziert wird. Das ist praktisch für die Pflege und ermöglicht häufig das Waschen in der Waschmaschine. Aber Superwash allein macht noch keine strapazierfähige Socke.


Und früher? Wie wurden Socken haltbar gemacht?


Superwash und Polyamid gab es noch nicht – und trotzdem wurden Socken über viele Jahre getragen. Die Haltbarkeit musste allein durch Garn, Stricktechnik und Pflege entstehen. Verwendet wurde unbehandelte, robuste Wolle, häufig aus regionalen Schafrassen.

Die Garne waren fest verzwirnt und die Socken wurden mit einer kleinen Nadel dicht gestrickt. Besonders beanspruchte Stellen wie Ferse und Sohle konnten zusätzlich verstärkt werden.


Und auch das Verfilzen bzw. Walken war kein Problem, sondern eine Möglichkeit, die Eigenschaften der Wolle bewusst zu nutzen: Durch Wärme, Feuchtigkeit und Bewegung verhaken sich die Wollfasern miteinander und das Gestrick wird dichter und kompakter.


Eine gewalkte Socke ist dadurch weniger empfindlich gegenüber Reibung und kann besonders robust werden – ein Prinzip, das sich heute in meiner LOLA-Socke- Konstruktion wiederfindet:



Und wenn eine Socke irgendwann doch dünn wurde oder ein Loch bekam, war sie deshalb noch lange nicht am Ende ihrer Lebensdauer: Socken wurden gestopft. Mit Stopfei oder Stopfpilz wurde die schadhafte Stelle stabilisiert und mit Garn wieder aufgebaut. So konnte eine Socke immer wieder repariert und über lange Zeit weitergetragen werden.


Vielleicht ist genau das ein schöner Gedanke für unsere heutige Strickwelt: Eine langlebige Socke musste früher nicht perfekt und unzerstörbar sein. Sie durfte getragen werden, dünn werden, repariert werden und weiterleben.


Superwash ist also eine Möglichkeit, Wolle pflegeleichter zu machen – aber keine Voraussetzung dafür, dass eine Socke länger hält.

Warum Socken ein stark verzwirntes Garn brauchen


Eine Socke braucht ein Garn, das mit viel Reibung umgehen kann. Dafür ist ein stark verzwirntes, kompaktes Garn besonders gut geeignet. Durch die stärkere Verzwirnung wird das Garn bereits vor dem Verstricken glatter, kompakter und stabiler.


Die Fasern liegen besser im Garnverbund und können sich weniger leicht aus der Oberfläche lösen. Das trägt dazu bei, dass das Gestrick weniger schnell pillt und sich deutlich langsamer abnutzt.


Alb Lino von Schoppel


Besonders interessant und sinnvoll ist dabei die Kombination: starke Verwirnung und eine Kammgarnkonstruktion.


Beim Kammgarn werden die längeren Fasern weitgehend parallel ausgerichtet. Kurze Fasern werden beim Kämmen entfernt. Dadurch entsteht ein glattes Garn mit einer vergleichsweise klaren und stabilen Struktur.

Genau diese Eigenschaften machen Kammgarn für Socken sehr interessant.



Ein schönes Beispiel dafür ist die Uni Perle von Schoppel, die ich für meine GIGI-Socken verwende. Die stark verzwirnte Garnstruktur sorgt für ein glattes, kompaktes Garn und damit für ein Gestrick, das der täglichen Beanspruchung gut standhalten kann: Uni Perle von Schoppel: 4-fach-Garn bzw. aus vier verzwirnten Fäden aufgebaut ist.


Uni Perle von Schoppel als Sockengarn
GIGI-Socke aus der Uni Perle von Schoppel

Mein Tipp: Die 7 Zauberperlen, die jeweils zwei Knäuel als uni und fünf Knäuel zweifarbig (s. unten), sind exakt wie die Uni Perle aufgebaut. Daraus lassen sich besonders farbenfrohe Socken stricken:




Oft sehe ich im Handel „Sockengarne“, die zwar als solche deklariert sind, aber so locker verzwirnt sind, dass die einzelnen Fäden bereits am Knäuel auseinanderfallen.


Das ist für mich kein gutes Zeichen für ein langlebiges Sockengarn.


Meine Empfehlung: Lass ein solches Garn lieber liegen, wenn du eine strapazierfähige Socke daraus stricken möchtest. Für ein Tuch oder ein anderes weniger beanspruchtes Strickstück kann es dagegen durchaus gut geeignet sein.


Die LOLA-Socke: ein anderes Prinzip


Die LOLA-Socke wird aus einem gewalkten Garn gestrickt.

Hier entsteht die besondere Materialstruktur nicht durch eine stark gezwirnte, glatte Garnkonstruktion. Durch das Walken - das direkt während des Spinnprozesses erfolgt - verändert sich die Wollgarnoberfläche und die Wollfasern verhaken sich miteinander. Das Garn, beziehungsweise das daraus entstehende Material, wird kompakter und bekommt eine charakteristische, etwas filzigere Oberfläche.



Die LOLA-Socke zeigt deshalb sehr schön: Es gibt nicht nur einen Weg zu einer langlebigen Socke.


GIGI-Socke setzt auf ein stark verzwirntes Garn mit der für Socken vorteilhaften Kammgarnstruktur.


LOLA-Socke nutzt die besonderen Eigenschaften eines gewalkten Garns.



Beide Konzepte sind unterschiedlich, jedoch eine wichtige Sache ist bei beiden gleich, die Strickfestigkeit – und genau das macht den Vergleich so interessant.

Fest stricken – zu oft unterschätztes "Werkzeug" für langlebige Socken


Das Garn allein entscheidet nicht über die Lebensdauer einer Socke. Die Maschendichte spielt eine ebenso große Rolle.


Eine Socke sollte dicht und kompakt gestrickt werden. Eine dünnere Nadel kann dabei helfen, ein stabiles Gestrick zu erzeugen.


Merke: Je dichter die Maschen miteinander verbunden sind, desto weniger kann sich das Gestrick unter Belastung verschieben und verformen. Gerade an den Stellen, an denen die Socke ständig am Schuh reibt, ist das ein Vorteil.


Bei einer Socke würde ich deshalb unbedingt zu einem kompakten, gleichmäßigen Maschenbild tendieren als zu einem locker gestrickten Gestrick. Dabei geht es aber nicht darum, mit Gewalt möglichst fest zu stricken. Eine Socke muss schließlich noch elastisch sein und sich dem Fuß anpassen.


Die richtige Maschendichte ist immer ein Zusammenspiel aus Garn, Nadelstärke und gewünschter Passform.


Ich zeige dir in dieser Tabelle einen Richtwert für eine Maschenprobe, die für langlebige Socken sorgt. Während normale Sockenwolle oft mit 30 Maschen auf 10 cm gestrickt werden, strebe ich ein wesentlich dichteres Maschenbild an:

Garnstärke

Empfohlene Nadelstärke (Bitte stets eine Maschenprobe stricken!)

Ziel-Maschenprobe (10×10 cm)

4-fädig (~400m/100g)

1,75 mm bis 2,0 mm

34 – 38 Maschen × 46 – 50 Reihen

6-fädig (~300m/100g)

2,25 mm bis 2,5 mm

28 – 30 Maschen × 38 – 42 Reihen

Gut zu wissen: Meine GIGI-Socke/400 hat 34M, GIGI-Socke/300 hat 28/29M und die LOLA-Socke/300 31M auf 10cm.


Fassen wir zusammen: Bei Socken darf das Gestrick deutlich (!) dichter und fester sein als bei einem Pullover, Schal oder einer Jacke. Hier geht es nicht um einen weichen, fließenden Fall, sondern um ein strapazierfähiges Gestrick, das der täglichen Beanspruchung standhält.


Entscheidend dafür ist die Wahl der richtigen Nadelstärke. Probiere ruhig verschiedene Nadelstärken aus, damit du auf die angegebene Maschenprobe kommst, die in der Anleitung angegeben ist.


Metallnadeln können dir dabei helfen, ein gleichmäßiges, festes Maschenbild zu erreichen. Auch eine gute Fadenführung und ausreichend Fadenspannung unterstützen dich dabei. Grundsätzlich gilt: Je dichter das Gestrick, desto haltbarer kann deine Socke sein.

Und auch die Passform spielt eine wichtige Rolle: Sitzt die Socke nicht richtig, entstehen beim Tragen mehr Reibung und Belastung – und damit nutzt sie sich schneller ab.


Crash Trio Addi Socken stricken

Ich stricke meine Socken immer mit diesen Metallnadeln von Addi:


Bei einem glatten Garn sieht man jede Masche


Eine kleine Nebenwirkung des stark verzwirnten Kammgarns gibt es allerdings:

Es verzeiht wenig und zeigt jede Unregelmässigkeit.


Bei einem flauschigen Streichgarn verschwinden kleine Unregelmäßigkeiten schnell in der Oberfläche. Bei einem glatten, stark verzwirnten Kammgarn dagegen ist jede Masche deutlich sichtbar.


Unterschiedliche Fadenspannung oder ein wechselnder Strickrhythmus können deshalb schneller auffallen.


Gerade bei den GIGI-Socken lohnt es sich, gleichmäßig zu stricken. Dafür wird man mit einem klaren, sauberen Maschenbild belohnt.



Gut zu wissen: Eine starke Verzwirnung kann Strukturen sehr schön hervorheben. Einzelne Maschen, Rippen, Strukturmuster oder Zöpfe erscheinen präzise und plastisch. Das Garn sorgt also nicht nur für die gewünschte Strapazierfähigkeit, sondern beeinflusst auch ganz wesentlich die Optik des fertigen Strickstücks.

4-fädig oder 6-fädig – macht das einen Unterschied?


Bei der GIGI-Socke kannst du zwischen 4-fädiger und 6-fädiger Wolle wählen.

Ein 4-fädiges Garn ergibt ein feineres, leichteres Sockengestrick. Die Socke passt gut in einen normalen Schuh und fühlt sich angenehm leicht am Fuß an.

6-fädige Wolle ist stärker und voluminöser. Dadurch entsteht ein kräftigeres und wärmeres Gestrick.


Aber auch hier gilt:

Mehr Fäden bedeuten nicht automatisch mehr Haltbarkeit.

Entscheidend ist, wie das Garn insgesamt aufgebaut ist. Anzahl der Fäden, Zwirnung, Faser, Garnkonstruktion und Maschendichte wirken zusammen.

Deshalb würde ich niemals sagen: „6-fädig ist besser als 4-fädig.“

Vielmehr haben beide Garnstärken ihre Berechtigung – je nachdem, welche Socke du stricken möchtest und wie sie getragen werden soll.


Und was ist mit Superwash?


Jetzt kommen wir zurück zur Ausgangsfrage.

Muss Sockenwolle Superwash sein?

Meine Antwort lautet: Nein.


Superwash kann für Socken praktisch sein. Gerade wenn eine Socke häufig getragen und gewaschen wird, kann die Pflegeleichtigkeit ein Vorteil sein.

Aber Superwash ist keine Garantie dafür, dass eine Socke besonders lange hält.

Eine Superwash-Wolle kann in einem locker aufgebauten, wenig kompakten Garn stecken. Und ein nicht superwash behandeltes Wollgarn kann durch seine Faserqualität, Garnkonstruktion, Zwirnung und Verarbeitung sehr strapazierfähig sein.


In diesem Wissensbeitrag habe ich dir die Kernpunkte von Superwash Wolle zusammengefasst:

Wo eine Socke am meisten beansprucht wird


Natürlich sind nicht alle Stellen einer Socke gleich stark belastet und auch nicht bei allen TrägerInnen an der gleichen Stelle.


Besonders viel Reibung entsteht an:

  • der Ferse

  • der Sohle

  • dem Bereich unter dem Ballen

  • der Spitze


Wenn bei deinen Socken immer wieder dieselbe Stelle zuerst dünn wird, lohnt es sich, genau dort anzusetzen. Man kann diese Bereiche beispielsweise mit einem Beilauffaden verstärken oder eine entsprechende verstärktes Strickmuster einsetzen.

Aber auch hier beginnt die Haltbarkeit schon viel früher – bei der Entscheidung für das Garn und die Maschendichte.

Eine langlebige Socke beginnt nicht bei Superwash


Für mich ist deshalb die wichtigste Erkenntnis:

Eine langlebige Socke entsteht nicht durch eine einzige Eigenschaft.


Nicht Superwash allein.

Nicht 4-fädig oder 6-fädig allein.

Nicht eine besonders kleine Nadel.

Und auch nicht die Aussage „100 % Wolle“ oder „mit Polyamid“.


Es ist das Zusammenspiel aus:

Faser + Garnkonstruktion + Zwirnung + Maschendichte + Passform.


Ein stark verzwirntes Kammgarn kann ein hervorragendes Sockengarn sein.

Ein gewalktes Garn kann einen ganz anderen Weg gehen.

Eine 4-fädige Socke kann wunderbar leicht sein, eine 6-fädige kräftiger und wärmer.


Und auch eine nicht superwash behandelte Wolle kann eine gute Socke ergeben, wenn Garn und Verarbeitung zu ihrer Verwendung passen.


Genau deshalb finde ich es beim Sockenstricken so spannend, nicht nur nach dem Etikett „Sockengarn“ zu greifen, sondern genauer hinzuschauen:

Wie ist dieses Garn aufgebaut?

Denn am Ende stricken wir nicht nur mit Wolle.

Wir stricken mit ihren Eigenschaften.

Ich hoffe, dir hat das heutige Thema "Langlebige Socken stricken" in diesem Beitrag gefallen.


Gerne kannst du den Beitrag auch an andere weiterleiten oder weiterempfehlen – darüber würde ich mich sehr freuen!


Hier findest Du einen passenden Beitrag über "Socken ohne verkürzte Reihen stricken - die SoN-Socke"


Und nun viel Freude beim Aussuchen & Stricken deiner Socken aus einem reinen Naturgarn!


Sende dir ganz herzliche Strickgrüße

Irina




 




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