top of page

Warum diese Sockenferse ohne verkürzte Reihen auskommt - die SoN-Socke

  • vor 21 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Beim Sockenstricken gehören verkürzte Reihen für viele Strickerinnen ganz selbstverständlich zur Ferse - sie sind ein Teil der Bumerangkonstruktion.


Bei meiner SoN-Socke gibt es sie nicht.


Nicht, weil ich die klassische Fersenkonstruktion verändern wollte, sondern weil bei meiner Konstruktion nicht nur die Ferse, sondern die gesamte Socke auf eine völlig andere Weise entsteht.


Ferse ohne verkürzte Reihen stricken

Die SoN-Socke beginnt mit einer einzigen Masche - unabhängig von ihrer Grösse. Aus ihr entwickelt sich durch Zunahmen ein Dreieck, daraus ein Dreieck mit Keil – und genau aus dieser Konstruktion entsteht die Ferse.


Die verkürzten Reihen, die bei einer klassischen Ferse diesen Bereich formen, werden bei der SoN-Socke deshalb gar nicht benötigt. Das ist der entscheidende Unterschied.

Eine Ferse neu denken


Als ich meine SoN-Socke entwickelt habe, wollte ich durch meine Dreieckskonstruktion Folgendes erschaffen.


Wie kann eine Socke so konstruiert werden, dass sie sich möglichst genau an die Form des Fußes anschmiegt?


Meine Antwort darauf beginnt nicht bei der Ferse, sondern bereits bei der ersten Masche. Aus dieser einen Masche entsteht durch gezielte Zunahmen zunächst ein Dreieck. Anschließend entwickelt sich daraus ein Dreieck mit Keil:


SoN-Socke als Dreieck mit Keil
Die angeschlagene Masche befindet sich mittig unten, das Dreieck mit dem oberen Keil ist durch Zunahmen entstanden.

Die Ferse entsteht aus der schrägen Strickrichtung


An dieser Stelle kommt ein wesentliches Merkmal meiner SoN-Konstruktion ins Spiel: die schräge Strickrichtung.


neue Sockenkonstrukion von SoN
Die schräge Strickrichtung schmiegt sich deutlich stärker an die Form des Fußes an als eine herkömmliche, tubular aufgebaute Sockenkonstruktion.

Durch die Entwicklung des Dreiecks mit Keil wird der Bereich, den eine klassische Sockenferse häufig mit verkürzten Reihen ausformt, bereits gestrickt.


Die Strickfläche verändert dabei ihre Richtung und entwickelt die notwendige Form für die Ferse. Deshalb brauche ich an dieser Stelle keine verkürzten Reihen.



Ich habe somit den oberen Fersenbereich anders konstruiert - ohne die Anwendung der verkürzten Reihen.

Was bei einer klassischen Ferse passiert


Bei vielen klassischen Socken wird die Ferse durch verkürzte Reihen geformt. Dabei wird die Strickfläche gezielt verkürzt, sodass zusätzliche Tiefe und Höhe für die Ferse entsteht. Bei der SoN-Socke ist diese Form bereits durch die vorherige Konstruktion vorhanden.


Das Dreieck, der Keil und die schräge Strickrichtung übernehmen diese Aufgabe.


Dadurch entsteht eine Ferse, die konstruktiv aus dem Aufbau der Socke herauswächst – und nicht als eigener, nachträglicher Konstruktionsschritt eingefügt werden muss.

Eine eigenständige Fersenkonstruktion


Nach dem Keil braucht die Socke ihre dreidimensionale Fersenform. Genau dafür setze ich die verlängerten Reihen ein. Durch die Anwendung der verlängerten Reihen wird eine Strickrichtungsänderung erzeugt und somit bekommt die Socke ihre dreidimensionale Form für die Ferse:


gestreifte Socken
Die sichtbare Veränderung der Streifen wird durch die verlängerten Reihen erzeugt.

Ich habe bei meiner Sockenanleitung nicht einfach eine bekannte Ferse abgewandelt. Ich habe eine eigene Konstruktion erstellt: Durch die Kombination aus Dreieck, Keil, schräger Strickrichtung und verlängerten Reihen entsteht eine eigenständige Fersenkonstruktion.

Die schräge Strickrichtung ist sichtbar


Besonders schön lässt sich das bei einer gestreiften SoN-Socke erkennen.

Die Streifen verlaufen im Bereich der Ferse plötzlich in einer anderen Richtung. Dadurch wird sichtbar, was konstruktiv im Gestrick passiert.


gestreifte Socken stricken
Die Streifen helfen, die Konstruktion besser erkennen zu können.

Die schräge Strickrichtung ist also nicht nur ein technisches Mittel.

Sie wird Teil des Erscheinungsbildes der Socke. Und genau das ist typisch für meine Art zu konstruieren: Die Konstruktion - wenn gewollt - darf sichtbar sein.


Von der Ferse zum Fuß


Nach der Fersenkonstruktion wird der benötigte Spannumfang durch gezielte Abnahmen erreicht. Anschließend wird die gewünschte Fußlänge in Runden gestrickt. Auch die Spitze ist Teil der anatomischen Konstruktion: Durch die unsymmetrische Bandabnahme entstehen eine linke und eine rechte Socke.


Gut zu wissen: Für die individuelle Passform werden außerdem Fesselumfang, Spannumfang und Schuhgröße bei der SoN-Socke berücksichtigt.


GIGI-Socke stricken ohne verkürzte Reihen

So entsteht die Socke nicht aus einer vorgegebenen Standardform, sondern wird an den jeweiligen Fuß angepasst. Wenn du noch mehr über diese einzigartige Konstruktion erfahren möchtest, findest du hier einen ganzen Wissensbeitrag über die GIGI-Socke:

Die Konstruktion bestimmt die Passform


Genau darin liegt für mich der eigentliche Gedanke hinter der SoN-Socke.

Ich habe beim Entwickeln nicht bei einer bestimmten Stricktechnik angefangen.


Ich habe bei der Form des Fußes angefangen:

Welche Fläche brauche ich?

Wie muss sie sich entwickeln?

In welche Richtung muss das Gestrick laufen?

Wo muss ein Keil entstehen?

Und wie kann daraus eine Ferse entstehen, die sich an den Fuß anschmiegt?


Als studierte Mode- und Textildesignerin interessiert mich genau dieses Zusammenspiel von Körperform und Konstruktion.

Die Technik ist dabei nicht das Ziel.

Sie ist das Werkzeug, mit dem die gewünschte Form entsteht.


Ich hoffe, dir hat das heutige Thema "Socken ohne verkürzte Reihen stricken"  in diesem Beitrag gefallen.


Gerne kannst du den Beitrag auch an andere weiterleiten oder weiterempfehlen – darüber würde ich mich sehr freuen!


Wenn du noch mehr über meine Strickkonstruktionen wissen möchtest, empfehle ich dir den Beitrag "Was ist eine SoN-Konstruktion? – Wie aus einer Masche nahtlose Kleidung entsteht".


Und nun viel Freude beim Stricken meiner Sockenkonstruktion ohne die verkürzten Reihen!


Sende dir ganz herzliche Strickgrüße

Irina

Kommentare


workshopsneu.jpg
bottom of page