Streichgarn oder Kammgarn? Unterschiede, Eigenschaften und welches Garn zu welchem Strickprojekt passt
- 31. Juli
- 10 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 1 Tag
Warum fühlen sich zwei Merinopullover völlig unterschiedlich an?
Zwei Pullover bestehen aus 100 % Merinowolle. Beide besitzen nahezu dieselbe Lauflänge. Trotzdem fühlt sich der eine wunderbar leicht, flauschig und warm an, während der andere glatt am Körper liegt und elegant fällt.
Wie kann das sein?
Die Antwort liegt nicht in der Wolle selbst, sondern in der Garnkonstruktion.
Neben Material, Nadelstärke und Fadenspannung beeinflusst vor allem die Art, wie ein Garn gesponnen wird, das fertige Strickstück. Genau hier unterscheiden sich Streichgarn und Kammgarn.
Genau diese Garnkonstruktion ist ein Punkt, den ich in meiner Arbeit als studierte Mode- und Textildesignerin besonders spannend finde.
Während viele beim Garnkauf zuerst auf Faser, Farbe oder Lauflänge schauen, beginnt meine Betrachtung früher: Wie wurde aus der Faser ein Garn – und welche Eigenschaften bringt diese Konstruktion später in ein Kleidungsstück ein?
Denn ein Garn ist niemals nur ein Ausgangsmaterial. Es beeinflusst, wie eine Fläche fällt, wie eine Form entsteht und welche Wirkung ein fertiges Strickstück erhält.
Beide Garne bestehen aus 100% Schurwolle und sind GOTS zertifziert
links: Semilla Melange von BC Garn, Streichgarn
rechts: Uni Perle von Schoppel, Kammgarn
Um den Unterschied zwischen Streichgarn und Kammgarn wirklich zu verstehen, lohnt sich ein Vergleich auf gleicher Basis: Idealerweise bestehen beide Garne aus derselben Faser, zum Beispiel aus Merinowolle. Erst dann zeigt sich, welchen Einfluss allein das Spinnverfahren auf Wärme, Fall, Maschenbild und Tragegefühl hat.
Was ist Streichgarn?
Die Herstellung beginnt bei beiden Garnarten gleich.
Nach dem Waschen wird die Wolle kardiert. Dabei werden die Fasern gelockert und zu einem lockeren Vlies geordnet.
Beim Streichgarn endet die Vorbereitung bereits an dieser Stelle.
Die unterschiedlich langen Fasern bleiben erhalten und liegen später in viele verschiedene Richtungen. Zwischen ihnen entstehen zahlreiche kleine Lufträume.
Genau diese eingeschlossene Luft verleiht dem Garn seinen besonderen Charakter.
Typische Eigenschafteneines Streichgarnes sind:
weich und flauschig
leicht und voluminös
sehr gute Wärmeisolierung
lebendiges Maschenbild
natürlicher, wolliger Griff
Gut zu wissen: Obwohl ein Streichgarn häufig dicker wirkt als ein Kammgarn, ist es oft überraschend leicht und ergibt eine grössere Lauflänge.
Ein voluminöses Streichgarn gibt einer Fläche mehr Körper. Gerade bei geometrischen Konstruktionen kann dieser Stand dazu beitragen, dass eine Form sichtbar bleibt und nicht einfach am Körper zusammenfällt.
Warum gibt es kaum Streichgarne aus Pflanzenfasern?
Die typische Leichtigkeit und das Volumen von Streichgarn entstehen durch die Kombination aus Spinntechnik und Fasereigenschaften.
Besonders Schurwolle eignet sich dafür, weil ihre natürliche Kräuselung Luft im Garn einschließt.
Pflanzenfasern wie Leinen oder Baumwolle besitzen diese kräuselung und somit auch die Elastizität nicht und werden deshalb meist anders verarbeitet und sind als versponnenes Garn schwerer.
Was ist Kammgarn?
Beim Kammgarn folgt nach dem Kardieren ein weiterer Arbeitsschritt.
Die Fasern werden sorgfältig gekämmt. Dabei werden kurze Fasern entfernt und die verbleibenden langen Fasern exakt parallel ausgerichtet.
Erst danach werden sie versponnen. Oft wird das Garn zusätzlich stärker verzwirnt.
Dadurch entsteht eine sehr gleichmäßige und kompakte Garnstruktur.
Kammgarn bedeutet nicht automatisch glatt und kalt.
Die glatte Oberfläche entsteht zwar durch die parallel ausgerichteten Fasern, aber der Charakter eines Garns hängt zusätzlich stark von der verwendeten Faser ab.
Ein Kammgarn aus feinem Babyalpaka (Foto unten links) wirkt beispielsweise weich und fließend, während ein Kammgarn aus reinem Leinen (Foto unten rechts) eher trocken und strukturiert erscheinen kann:
Auch die Zwirnung beeinflusst die Wirkung.
Ein stark verzwirntes Kammgarn wie die Uni Perle (Foto unten rechts) erhält dadurch zusätzliche Glätte, Stabilität und ein besonders klares Maschenbild.
Eine leichte Verzwirnung im Zusammenhang mit sehr feinen Alpakagarnen ergibt ein voluminöses, watteähnliches Garn wie die SalPUR (Foto unten links) :
Die Spinnart legt also die Grundrichtung fest – die Faser und die Verarbeitung bestimmen den endgültigen Charakter.
Typische Eigenschaften eines Kammgarnes sind:
glatte Oberfläche
ruhiges Maschenbild
hohe Strapazierfähigkeit
formstabil
eleganter Fall
Ein kompaktes Kammgarn folgt stärker der Bewegung des Körpers. Dadurch entstehen ruhigere Linien und ein eleganterer Fall.
Streichgarn und Kammgarn im direkten Vergleich
Eigenschaft | Streichgarn | Kammgarn |
Faseranordnung | locker, ungeordnet | parallel |
Oberfläche | weich, flauschig | glatt |
Volumen | hoch | kompakter |
Gewicht | leicht | dichter |
Wärme | durch Lufteinschlüsse wärmer bei gleichem Gewicht | dichter/kompakter aufgebaut, weniger Luft im Garn |
Stand | höher | weicher Fall |
Maschenbild | weich | sehr klar |
Pilling | eher möglich | geringer |
Haltbarkeit | gut | sehr hoch |
Reißfestigkeit | gering, reißt unter Zug schneller | sehr hoch, hält größeren Zugkräften stand |
Kann man Streichgarn und Kammgarn am Aussehen erkennen?
Auf den ersten Blick lassen sich Streichgarn und Kammgarn nicht immer eindeutig unterscheiden. Besonders bei hochwertigen Garnen verschwimmen die Grenzen, denn auch die Faser selbst, die Drehung und die Verarbeitung beeinflussen die Oberfläche. Trotzdem gibt es einige typische Merkmale:
Streichgarne wirken häufig:
voluminöser und lockerer
etwas unregelmäßiger in der Oberfläche
weicher und weniger glatt
eher matt und lebendig
Durch die lockerere Spinnweise entsteht mehr Raum zwischen den Fasern. Das Garn wirkt dadurch leichter und erhält im Gestrick häufig eine weichere, etwas fließendere Struktur.
Kammgarne wirken häufig:
glatter und gleichmäßiger
kompakter in der Oberfläche
definierter im Maschenbild
oft etwas glänzender
Bei der Kammgarnspinnerei werden die Fasern stärker parallel ausgerichtet. Dadurch entsteht ein ruhigeres Garn mit klarer Maschendefinition.
Beide Garne bestehen aus 100% Schurwolle & wirken auf den ersten Blick sehr ähnlich.
links: Ylva von Hey Mama Wolf, Kammgarn
rechts: Semilla Melange von BC Garn, Streichgarn
Am sichersten lässt sich die Garnart jedoch nicht nur am Strang beurteilen, sondern an der Verarbeitung:
Wie fühlt sich das Garn an?
Wie viel Volumen entsteht beim Stricken?
Wie klar werden Muster und Maschen sichtbar?
Beide Garne bestehen aus 100% Yak.
links: Gengis Khan 3 von fonty, Streichgarn
rechts: Baby Yak medium von MYak, Kammgarn
Gerade deshalb lohnt es sich, die Garnkonstruktion zu verstehen.
Zwei Garne mit ähnlicher Lauflänge können im fertigen Strickstück völlig unterschiedlich wirken – und genau diese Unterschiede entscheiden oft darüber, ob ein Modell seine gewünschte Form und Ausstrahlung erhält.
Ich würde den Unterschied so beschreiben: Kammgarne haben einen festeren Kern, der bei den Streichgarnen fehlt. Eine wollige Oberfläche können dagegen beide Garne ausweisen.

Warum ist Streichgarn wärmer?
Der entscheidende Unterschied liegt nicht nur in der Faser, sondern vor allem in der Struktur des Garns.
Durch die lockere Anordnung der Fasern entstehen beim Streichgarn viele kleine Zwischenräume, in denen Luft eingeschlossen wird. Diese Luftschichten wirken wie eine natürliche Isolierung und tragen dazu bei, dass Wärme länger gespeichert werden kann.
Deshalb können Strickstücke aus Streichgarn bei vergleichbarem Gewicht häufig wärmer wirken als kompakter aufgebaute Kammgarne.
Die besondere Wärme entsteht also nicht allein durch die Wolle selbst, sondern durch das Zusammenspiel von Faser, Spinnverfahren und der daraus entstehenden Garnstruktur.
Warum pillt Streichgarn häufiger?
Bei einem Streichgarn liegen viele kleine Fasern locker an der Garnoberfläche.
Durch Reibung können sich diese Fasern leichter miteinander verbinden.
Es entstehen kleine Knötchen – das sogenannte Pilling.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Streichgarn minderwertig ist.
Genau diese lockere Konstruktion sorgt gleichzeitig für seine besondere Leichtigkeit und Wärme.
Warum hat Streichgarn mehr Stand?
Diese Eigenschaft wird häufig unterschätzt: Durch den lockeren, voluminösen Aufbau richtet sich das Garn im Gestrick leicht auf.
Dadurch erhält das Strickstück mehr Körper und wirkt plastischer.
Gerade geometrische Konstruktionen profitieren davon.
Kammgarne sind dichter aufgebaut. Sie schmiegen sich stärker an den Körper an und erzeugen einen weicheren, fließenderen Fall.
Wichtig: Nicht nur das Material, sondern bereits die Garnkonstruktion beeinflusst die Silhouette eines Kleidungsstücks.
Warum ist Kammgarn glatter?
Beim Kämmen werden die langen Fasern parallel ausgerichtet. Dadurch ragen weniger Faserenden aus dem Garn heraus. Die Oberfläche wirkt glatter, das Maschenbild ruhiger und gleichmäßiger.
Besonders Strukturmuster und Zöpfe kommen mit Kammgarn besonders klar zur Geltung.
Wirkt besonders glatt und fühlt sich neutral auf der Haut an:
Duna von Amano aus 60% Baumwolle & 40% Alpaka als Kammgarn versponnen
Gut zu wissen: Die glatte Oberfläche wird auch von vielen Menschen mit empfindlicher Haut als angenehm empfunden, da weniger abstehende Fasern die Haut berühren.
Wie weich sich ein Garn tatsächlich anfühlt, entscheidet jedoch nicht allein die Spinnart. Auch die Feinheit und Qualität der verwendeten Fasern spielen eine wichtige Rolle. So kann ein feines Streichgarn aus hochwertiger Merinowolle ebenso weich sein wie ein Kammgarn, während ein gröberes Kammgarn aus einer anderen Faser deutlich fester wirkt.
Das Kammgarn links ist aus britischer Schurwolle und somit deutlich rustikaler im Griff als das Sreichgarn rechts, das aus 100% Yak besteht.
links: Wool local von Erika Knight, Kammgarn
rechts: Gengis Khan 2 von fonty, Streichgarn
Kurz gesagt: Die Spinnart beeinflusst vor allem die Oberflächenstruktur – die Weichheit entsteht aus dem Zusammenspiel von Faserqualität, Faserfeinheit und Garnkonstruktion.
Lauflänge und Nadelstärke
Ein Streichgarn wirkt oft deutlich dicker als ein Kammgarn. Trotzdem besitzen beide manchmal nahezu dieselbe Lauflänge.
Der Grund liegt wieder in den vielen Lufteinschlüssen. Sie erzeugen Volumen, ohne das Garn schwer zu machen.
Gut zu wissen: Genau deshalb verstricke ich Streichgarne oft mit einer etwas größeren Nadelstärke als ein vergleichbares Kammgarn, wenn ich eine luftig lockere Strickoberfläche und ein leichtes Strickstück erhalten möchte.
Die lockere Garnkonstruktion kann mit diesem "Freiraum" deutlich besser umgehen, die Fasern können sich entfalten. Ein zu locker verstricktes Kammgarn dagegen wirkt eher unsauber und löcherig.
Kammgarne sind deutlich kompakter aufgebaut. Sie entwickeln auch mit einer etwas kleineren Nadel ein ruhiges, gleichmäßiges Maschenbild und einen fließenderen Fall.
Deshalb solltest du beim Vergleich der empfohlenen Nadelstärken immer auch die Garnkonstruktion berücksichtigen – nicht nur die Lauflänge.
Das Maschenbild
Für mich als studierte Mode- & Textildesignerin gehört dieser Unterschied zu den spannendsten überhaupt.
Streichgarn
Das Maschenbild wirkt weich.
Nach dem ersten Waschen richten sich die Fasern etwas auf.
Die einzelnen Maschen verschmelzen stärker miteinander und ergeben eine harmonische Fläche.
Kleine Unregelmäßigkeiten verschwinden oft nahezu vollständig.
Deshalb verzeiht Streichgarn kleine Unterschiede in der Fadenspannung sehr gut.

Kammgarn
Hier ist jede einzelne Masche deutlich sichtbar.
Zöpfe erscheinen scharf konturiert.
Auch Rippen und Strukturmuster kommen besonders klar zur Geltung.
Allerdings werden auch kleine Spannungsschwankungen schneller sichtbar.

Warum Streichgarn häufig als anfängerfreundlich empfunden wird
Ein klassisches Streichgarn aus 100 % Schurwolle hat einige Eigenschaften, die Anfängern entgegenkommen:
Die Fasern greifen stärker ineinander. Dadurch rutscht das Garn weniger von der Nadel.
Es ist elastischer. Kleine Unterschiede in der Fadenspannung gleichen sich leichter aus.
Das Maschenbild verzeiht mehr. Leicht ungleichmäßige Maschen fallen durch das voluminöse Garn weniger auf.
Die Wolle "blüht" nach dem Waschen auf. Das Strickbild wird oft noch gleichmäßiger.
Viele Anfänger empfinden deshalb das Stricken mit einem solchen Streichgarn als entspannter.
Warum Kammgarn anspruchsvoller sein kann
Ein Kammgarn ist glatter und gleichmäßiger versponnen. Das hat Vorteile:
sehr klares Maschenbild,
hohe Formstabilität,
gute Haltbarkeit.
Gleichzeitig zeigt es aber auch jede kleine Unregelmäßigkeit.
Wer noch keine konstante Fadenspannung hat, sieht dies bei einem glatten Kammgarn oft deutlicher.
Innerhalb von Streich- und Kammgarnen gibt es große Unterschiede
Die Begriffe Streichgarn und Kammgarn beschreiben zunächst nur die Art der Garnherstellung. Innerhalb dieser beiden Gruppen können Garne trotzdem sehr unterschiedlich wirken.
Ein lockeres Streichgarn mit wenig Zwirnung wirkt anders als ein stärker verzwirntes Streichgarn. Es kann ein- oder mehrfädig verzwirnt sein:
links: Loch Lomond lace von BC Garn, Streichgarn 1-fädig
rechts: Loch Lomond von BC Garn, Streichgarn 2-fädig verzwirnt
Ebenso kann ein glattes Kammgarn sehr weich und luxuriös erscheinen oder durch bestimmte Fasermischungen einen eher natürlichen, strukturierten Charakter bekommen.
links: SemillaSilkbloom von BC Garn, Kammgarn mit einer glatten, gleichmässigen Oberfläche
rechts: Soft Silk von BC Garn, Kammgarn mit einer unregelmässigen, lebendigen Oberfläche
Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf die Bezeichnung „Streichgarn“ oder „Kammgarn“ zu schauen, sondern das gesamte Garn zu betrachten:
Welche Faser wurde verwendet?
Wie stark ist das Garn verzwirnt?
Welche Oberfläche entsteht?
Welche Wirkung soll das fertige Strickstück haben?
Warum gibt es deutlich weniger Streichgarne im Handel?
Die Herstellung von Streichgarn ist im Vergleich zu Kammgarn ein kürzerer Verarbeitungsweg, da die Fasern nicht gekämmt und vollständig parallel ausgerichtet werden. Trotzdem findet man im Handel deutlich weniger Streichgarne als Kammgarne.
Der Grund liegt vor allem in den Anforderungen der industriellen Verarbeitung und der Nachfrage nach gleichmäßigen Garnen. Da Kammgarne glatt, formstabil und reißfest sind, eignen sich dadurch besonders gut für eine effiziente Produktion in großen Mengen.
Auch im Handstrickbereich wird häufig ein sehr exaktes Maschenbild mit klarer Definition von Strukturen und Mustern gewünscht. Moderne Strickdesigns, soziale Medien und viele Anleitungen setzen oft auf präzise Zöpfe, klare Lace-Muster und eine gleichmäßige Oberfläche – Eigenschaften, die Kammgarne durch die Konstruktion besonders unterstützt. Streichgarne dagegen besitzen eine andere Ästhetik.
Da Handstrickgarne stark von den Entwicklungen der industriellen Garnproduktion beeinflusst werden, sind reine Streichgarn-Spinnereien heute seltener geworden.
Umso wertvoller sind Streichgarne für Projekte, bei denen nicht maximale Gleichmäßigkeit, sondern die besondere Struktur und der Charakter der Wolle im Vordergrund stehen.
Welche Garne findest du in meinem Shop?
Da Streichgarne eher seltener zu finden sind, findest du bei mir eine bewusst kuratierte Auswahl an GOTS zertifzierten, farbenfrohen Qualitäten. Ausserdem eine schöne Auswahl an naturbelassenen Garnen aus wertvollen Fasern wie Schurwolle & Yak.
Eine deutlich grössere Auswahl an Kammgarnen ist in meinem Shop vertreten. Aus zahlreichen Fasern und auch in vielen Fasermischungen findest du nachhaltige Qualitäten ein für dich passendes Strickstück.
Welches Streichgarn eignet sich für welches SoN-Modell?
MARA-Jacke
Bei der MARA-Jacke war mir wichtig, dass die Konstruktion ihre klare Grundform behält. Deshalb ist ein voluminöses Streichgarn ein Teil der beabsichtigten Silhouette und trägt zu dem nötigen Stand beit.
MARA-Jacke MARA-Jacke MARA-Jacke MARA-Jacke MARA-Jacke MARA-Jacke
GIGI-Pulli
Beim Entwurf des GIGI-Pullis mit seiner klassichen Optik standen für mich eine voluminöse Strickoberfläche, wollige Haptik & Wärme an erster Stelle.
POLA-Kleid
Bei dem POLA-Kleid für Baby und Kinder war mir die Leichtigkeit des Garnes sehr wichtig. Zusätzlich sollte das Kleid die Trägerin wunderbar wärmen.
Welches Kammgarn eignet sich für welches SoN-Modell?
ALMA-Top
Beim ALMA-Top unterstützt das glatte Kammgarn aus reinem Leinen die unterschiedlichen Strickrichtungen & das Streifenmuster besonders schön.
SAKI-Schal
Für den SAKI-Schal eignet sich ein weiches jedoch kompaktes Kammgarn hervorragend, denn das feine Yakgarn soll in erster Linie wärmen.
Trotz der Verwendung eines Kammgarns werden die Maschen nicht genau definiert und die Strickoberfläche verschwimmt leicht. Diese Eigenschaft ist typisch für Yakwolle: Sie erzeugt ein mattes & weniger definiertes Strickbild.
GIGI-Socken
Bei meinen GIGI-Socken entscheide ich mich bewusst für ein Kammgarn, Uni Perle von Schoppel.
Socken werden täglich stark beansprucht. Sie müssen Reibung, Bewegung und häufiges Waschen aushalten. Die glatte, kompakte Struktur eines Kammgarns macht das Gestrick besonders strapazierfähig und formstabil. Gleichzeitig sorgt die kräftige Verzwirnung der Uni Perle dafür, dass die Socken lange optisch schön & in Form bleiben.
Gut zu wissen: Bei stark beanspruchten Strickstücken zählt nicht nur die Faser, sondern vor allem die gesamte Garnkonstruktion. Eine glatte Oberfläche, eine kompakte Struktur und eine hohe Verzwirnung unterstützen die Langlebigkeit.
Gerade bei Socken zeigt sich sehr gut, dass die Wahl der Garnkonstruktion genauso wichtig ist wie die Wahl der Faser.
Welches Garn passt zu deinem Projekt?
Wenn du …
✔ einen besonders warmen Winterpullover stricken möchtest,
✔ ein leichtes, flauschiges Gestrick bevorzugst,
✔ Volumen bei geringem Gewicht suchst,
… dann ist ein Streichgarn oft die bessere Wahl.
Möchtest du dagegen …
✔ ein ruhiges Maschenbild,
✔ einen eleganten Fall,
✔ einen edlen Look,
✔ hohe Strapazierfähigkeit,
✔ klare Strukturmuster,
… dann spricht vieles für ein Kammgarn.
Mein Fazit
Ob Streichgarn oder Kammgarn die bessere Wahl ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide Garnarten besitzen ganz eigene Stärken.
Während Streichgarne mit Wärme, Leichtigkeit, Volumen und einem lebendigen Maschenbild überzeugen, punkten Kammgarne mit einer glatten Oberfläche, einem eleganten Fall und hoher Strapazierfähigkeit.
Für mich als Modedesignerin ist deshalb nicht entscheidend, welches Garn technisch aufwendiger hergestellt wird, sondern welches die gewünschte Wirkung für das fertige Strickstück erzielt.
Genau darin liegt für mich die eigentliche Kunst der Garnauswahl: Nicht jede Wolle passt zu jedem Modell – aber für jedes Modell gibt es das passende Garn.
Denn ein Garn ist niemals nur eine Faser. Erst durch die Kombination aus Material, Spinnverfahren, Zwirnung und Verarbeitung entsteht sein eigener Charakter. Genau deshalb betrachte ich Garn nicht als neutrales Ausgangsmaterial, sondern als Teil des Entwurfsprozesses.
Die Spinnart legt die Grundrichtung fest – die Faser und die Verarbeitung bestimmen den endgültigen Charakter.
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Hier findest Du einen passenden Beitrag über eine andere Garnart "Mohairalternative: Alles Wissenswerte über gebürstete Garne als Beilaufgarn".
Und nun viel Freude beim Aussuchen & Stricken der passenden Garnart für dein neues Strickmodell!
Sende dir ganz herzliche Strickgrüße
Irina
































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