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Garnbanderole verstehen: Was die Angaben auf dem Etikett wirklich bedeuten (einfach erklärt)

  • 17. März
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 8 Stunden

Garnbanderole Erklärung mit Angaben zu Material, Lauflänge und Nadelstärke

Was ist eine Garnbanderole überhaupt?


Hin und wieder erreichen mich E-Mails mit aufgebrachten Strickerinnen, die ein Wollpaket in meinem Shop gekauft haben.

Sie sind der Meinung, dass ich ihnen die falsche Wolle geschickt habe, weil die Angaben auf der Banderole eine andere Angabe enthält

als die Angabe zu dem Modell, für das sie die Wolle bestellt haben.

 

Dabei ist der Inhalt der E-Mails manchmal alles andere als freundlich und

es wird von mir verlangt, dass ich schleunigst meinen Fehler beheben sollte.

 

Um dieses „Mysterium“ aus der Welt zu schaffen, werde ich in diesem Beitrag die Angaben auf der Garnbanderole mal genauer anschauen und mit fundiertem Wissen die Sachlage prüfen und aufklären.


„Wie liest du eine Garnbanderole richtig (Schritt für Schritt)“


Lass uns gemeinsam starten:

An jedem gekauften Garn finden wir eine Banderole, die Infos über das Garn liefert.


Eine Garnbanderole ist das kleine Papieretikett um dein Garn und enthält wichtige Infos:

 

Wir sehen den Namen des Garnes & den Hersteller, der das Garn produziert.

 

Eine Information zu dem Gewicht des Knäuels bzw. des Stranges oder der Kone

und auch die dazugehörige Laufmeteranzahl können wir auf der Banderole ablesen.

 

Ausserdem ist die Zusammensetzung des Garnes - zu wieviel Prozent & aus welcher Faser es besteht - eine Pflichtangabe, da es die "Rohstoffzusammensetzung (laut EU-Textilkennzeichnungsverordnung)" gibt.

 

Alle oben genannten Informationen sind fix und müssen zu 100% der Wahrheit entsprechen.




Was jedoch variabel ist, sind folgende, unten aufgeführte Angaben auf der Banderole:

 

Es findet sich oft folgende Information:

Wieviel Gramm des Garnes werden für einen Pulli in Grösse M benötigt.

 

Ausserdem finden wir fast immer eine Angabe zu einer Maschenprobe 

in der Grösse 10cm x 10cm, die mit einer bestimmten Nadelstärke angegeben ist.

 

Die Angabe zu der Menge des Garnes für einen Pulli,

die angegebene Maschenprobe und die verwendete Nadelstärke

ist IMMER ausschliesslich als ein Richtwert zu verstehen!



Was bedeutet die Nadelstärke auf dem Garn‑Etikett?

So findest du die passende Nadelgröße!


As erstes nehmen wir die Angabe der Nadelstärke in den Fokus:

Dass wir alle sehr, sehr unterschiedlich fest bzw. locker stricken,

hast Du mit Sicherheit schon mal gehört bzw. gelesen.

 

Ein Beispiel: 

Wenn ich einen Teststrick für ein neues Modell mache,

stelle ich fest, dass es immer Strickerinnen gibt, die eine ganze Nadelstärke höher gehen

und andere wiederum eine ganze Nadelstärke runter gehen, um meine Maschenprobe zu erreichen.

 

Konkret gesagt: Wenn ich bei einem Modell mit Nadelstärke 4,0

eine Maschenprobe von 19M x 26R erreicht habe,

müssen einige Damen eine N5,0 und andere N3,0 nehmen,

um auf meine Maschen - & Reihenangaben zu kommen.

 

Was bedeutet das nun für die Angabe auf der Banderole? 

Dass die angegebene Nadelstärke eines Garnes nur eine Möglichkeit aufzeigt und dass unsere tatsächliche Strickfestigkeit davon abweichen kann und sehr wahrscheinlich auch wird!

 

Und hier noch ein Fun Fact:

Es gibt tatsächlich Garnhersteller, die die angegebene Maschenprobe

gar nicht per Hand erstellen, also mit Handstricknadeln stricken, sondern mit einer Strickmaschine! Das sagt dann wohl auch einiges über die Angabe der Nadelstärke, nicht wahr? ;-)




Maschenprobe auf der Garnbanderole: Wieso ist das wichtig?


Und nun kommen wir zu der Maschen- & Reihenangabe:

Ein einziges Garn (siehe das Foto unten mit der Qualität Høst von Camarose) können wir mit ganz unterschiedlichen Nadelstärken stricken.

Je kleiner die Nadeln desto fester wird das Gestrick und desto mehr Maschen & Reihen sind dann in der Breite bzw. Höhe von 10cm. Andersherum ist es so, dass je dicker die Nadel ist, desto lockerer wird das Gestrick und desto weniger Maschen & Reihen sind dann in der Breite bzw. Höhe von 10cm.

 

Weich fallend & fliessend sind eher Strickmodelle, die mit grösseren Nadeln gestrickt wurden im Vergleich zu der Lauflänge (siehe Strickprobe im unteren Bild in rot). Dagegen werden Strickstücke standfest und erhalten eine Dichte, wenn man sie mit einer kleinen Stricknadel in Relation zu der Lauflänge (siehe Strickprobe im unteren Bild in rosa) verstrickt.




Fazit zur Maschenproben-Angabe

Ich kann somit exakt das gleiche Garn mit einer dünnen Nadel zu einer festen Oberfläche verstricken.

Genau so aber auch mit einer dicken Nadel zu einem lockeren Strickstück verarbeiten.

 

Um es zu verdeutlichen, möchte ich hier drei Modelle mit dem exakt gleichen Garn zeigen:


3 mal BIO Merinos von Schoppel in 3 unterschiedlichen Modellen




Und hier zeige ich dir die 3 Modelle, die ich aus der Bio Merinos gestrickt habe:


 

mit einer dünnen Nadel so fest gestrickt,

damit die Form der Socke stabil bleibt und sich nicht weitet.

Bei Socken gilt der Grundsatz: Je lockerer man ein Garn für eine Socke verstrickt,

desto schneller weitet es sich, verliert die Form & ist anfällig für Löcher.

 

Die exakte Maschenprobe in kraus re mit N2,5 (gewaschen!) sieht dabei wie folgt aus:

10M = 3,2cm / 31M = 10cm

10R = 1,7cm / 58R = 10cm



2. Dagegen habe ich genau das gleiche Garn zu der MARA-Weste mit N3,5 verstrickt.

Die Nadelstärke ist mit 3,5 im "unteren Mittelfeld", denn für mich müssen Westen einen Stand haben.

 

Die Maschenprobe in glatt rechts mit N3,5:

10M = 4,2cm/24M = 10cm

10R = 3,0cm/33R = 10cm


  1. Und beim dritten Modell habe ich ebenfalls die Bio Merinos zum MARA-Rock verstrickt:

Mit N5,0 ist das Strickstück locker weich und hat einen schönen Fall.

 

MaPro in glatt rechts, N 5,0, gewaschen:

10M = 5,3cm/19M = 10cm

10R = 3,7cm/27R = 10cm


Wir fassen das Mysterium Maschenprobe zusammen


Die Angabe auf der Banderole

- und ich meine sowohl die MaPro als auch die Nadelstärke -

ist ein ungefährer Richtwert und ist niemals als wahrhaftig anzusehen!

 

Denn diese MaPro auf der Banderole sagt uns nichts darüber aus,

wie fest oder locker das Gestrick ist. Oder auch wie der Fall des Kleidungsstückes sein wird.

Aber genau das sind wichtige Fakten, die dafür sorgen,

dass wir ein Strickstück als stimmig/passend ansehen und nicht,

ob die Maschenprobe auf der Banderole stimmt.

 

Zur Info: Auf der Banderole von Bio Merinos steht

die Maschenprobe von 26M x 36R mit N2,5-3,5


Fazit: So nutzt du die Garnbanderole richtig für dein Projekt


 Ich kann eine Qualität mit ganz unterschiedlichen Nadelstärken 

verstricken und erhalte ganz verschiedene Maschenproben,

die ganz unterschiedliche Eigenschaften haben.

 

Es gibt somit keine richtige oder falsche Angabe.

Es gibt ausschliesslich unser Empfinden, was wir als schön, praktikabel und

auch als sinnvoll für ein bestimmtes Modell erachten.

 

 

Und bitte beachte auch, dass unterschiedliche Fasern auch unterschiedlich verstrickt werden,

obwohl sie die gleiche Lauflänge haben, da Fasern sich unterschiedlich verhalten.

Das wäre dann aber ein eigenständiges Thema für eines meiner nächsten Beiträge;-)

Ich hoffe, dir hat das heutige Thema zu diesem wichtigen Thema "Garnbanderole verstehen: Erfahre, was Material, Lauflänge, Nadelstärke & Symbole wirklich bedeuten" in diesem Beitrag gefallen.

Gerne kannst du den Beitrag auch an andere weiterleiten oder weiterempfehlen – darüber würde ich mich sehr freuen!


Sende dir ganz herzliche Strickgrüße

Irina

 
 
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