ALMA-Top – wie sich ein Strickstück in acht Dreiecke auflösen lässt
- 29. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Juli
Kann ein Sommertop wirklich aus acht Dreiecken bestehen?
Wenn wir ein Strickstück betrachten, achten wir meist zuerst auf Farbe oder Muster. Beim ALMA-Top passiert etwas anderes:
Hier ziehen zunächst die unterschiedlich verlaufenden Strickrichtungen die Aufmerksamkeit auf sich. Schräge Streifen, Spiegelungen und Richtungswechsel erzeugen eine lebendige Oberfläche – obwohl überall dasselbe Streifenmuster gestrickt wird.
Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass sich das gesamte Sommertop aus acht Dreiecken entwickelt.
Alles beginnt mit zwei Dreiecken
Wie bei vielen SoN-Modellen beginnt auch das ALMA-Top ganz einfach - aus dem Anschlag einer einzigen Masche.
Es entstehen zunächst zwei identische Dreiecke – eines für Vorderteil und eines für Rückenteil. Beide wachsen nacheinander durch regelmäßige Zunahmen und bilden die Grundlage der späteren Konstruktion.
Noch wirkt alles ruhig und symmetrisch.
Wenn sich die Strickrichtung plötzlich verändert
Erst nachdem Vorder- und Rückenteil miteinander verbunden wurden, verändert sich die Konstruktion.
Zwischen den beiden ersten Dreiecken entsteht ein drittes, nach unten gerichtetes Dreieck. Dieses wird nicht durch Zunahmen gearbeitet, sondern entwickelt sich durch verlängerte Reihen.
Dabei dreht sich die Strickrichtung um etwa 45 Grad.
Genau an dieser Stelle beginnt das Muster zu leben:
Die schrägen Streifen treffen aufeinander, spiegeln sich und lassen die Konstruktion sichtbar werden.
Aus Strickrichtungen werden Formen
Obwohl im gesamten Top nur ein einziges Streifenmuster gearbeitet wird, wirkt jede Fläche anders.
Nicht das Muster verändert sich.
Sondern die Richtung, in der es gestrickt wird.
Dadurch entstehen ganz unterschiedliche Licht- und Schattenwirkungen, die dem Top seine besondere Optik verleihen.
Erst jetzt erkennt man, dass die Konstruktion aus einzelnen geometrischen Flächen besteht.
Die letzten Dreiecke entstehen durch Abnahmen
Nachdem die seitliche Partie fertiggearbeitet ist, setzt sich die Konstruktion fort. Das folgende Dreieck wächst nun nicht mehr durch Zunahmen, sondern entsteht durch gezielte Abnahmen. Das vierte Dreieck wird am Vorderteil zu einem dreieckigen Brusteinsatz geformt, an den die schmalen Träger anschließen.
So entwickelt sich das Top Schritt für Schritt weiter, bis schließlich alle acht Dreiecke miteinander verbunden sind.
Jedes übernimmt dabei eine bestimmte Aufgabe für Form und Passform.
Die Konstruktion bestimmt auch die Passform
Die Geometrie ist beim ALMA-Top nicht nur Gestaltungselement.
Sie sorgt gleichzeitig für den Sitz des Modells.
Im oberen Brustbereich liegt das Top angenehm nah am Körper an. Dadurch verrutscht es kaum und bleibt auch beim Bücken zuverlässig an seinem Platz.
Für den Taillenbereich stehen zwei Varianten zur Verfügung:
eine körpernahe, figurbetonte Form
eine etwas weitere, locker fallende Variante
Beide entstehen während des Strickens der seitlichen Partie - bei der Ausführung der verlängerte Reihen.
Links die weite Version: Die Seitenlinie mit den Abnahmen ist durchgängig zu erkennen.
Rechts die schmale Version: Die Abnahmen an der Seitenlinie finden nur im unteren Teil des Tops statt.
Schmale oder breite Träger?
Auch die Träger lassen sich individuell anpassen.
Zur Wahl stehen schmale (in rostrot & grau) oder etwas breitere (in beige) Träger.
Die breitere Variante verdeckt die BH-Träger besser und eignet sich besonders für alle, die das Top unkompliziert im Alltag tragen möchten.
Alles wird in Reihen gestrickt
Ein weiteres besonderes Merkmal der Konstruktion:
Das gesamte ALMA-Top wird ausschließlich in Reihen gearbeitet.
Zunächst entstehen Vorder- und Rückenteil getrennt.
Nach dem Verbinden wird das seitliche Dreieck durch verlängerte Reihen und Abnahmen entwickelt.
Danach folgt das Triangel-Stück für den oberen Brustansatz.
Zum Schluss treffen die Träger aufeinander und werden mit dem 3-needle-bind-off verbunden.
Auch hier entsteht die fertige Form direkt während des Strickens – ganz ohne klassische Schnittteile.
Das Garn verändert den Charakter
Die Konstruktion bleibt immer dieselbe.
Das Garn entscheidet über die Wirkung.
Aus reinem, recycelten Leinen entsteht ein sommerlich kühles Top mit trockenem Griff und fließendem Fall.
SilYa aus Yak und Seide verleiht dem Modell dagegen eine besonders elegante Ausstrahlung. Das Gestrick wirkt federleicht, besitzt einen dezenten Seidenglanz und fühlt sich fast schwerelos an – in Größe XS wiegt das Top gerade einmal etwa 86 Gramm.
Ich habe hier das ALMA-Top mit der ALMA-Jacke zu einem eleganten und lässigen Twinset kombiniert.
Wer eine alltagstaugliche Variante sucht, erhält mit Summer in Kashmir von BC Garn eine Qualität aus Baumwolle mit einem kleinen Kaschmiranteil. Sie verbindet Strapazierfähigkeit mit einem neutralen Griff und macht das ALMA-Top zu einem vielseitigen Begleiter.
Hier findest du alle Wollpakete für das ALMA-Top:
Für wen eignet sich das ALMA-Top?
für StrickerInnen, die gerne Schritt für Schritt einer sehr ausführlichen Anleitung folgen
für alle, die gerne nahtlos stricken
für Strickerinnen, die Konstruktionen verstehen möchten
für alle, die ein leichtes Sommertop mit einer gut sitzenden Form suchen
Wenn Konstruktion zum Design wird
Beim ALMA-Top entstehen Muster und Form gleichzeitig.
Nicht verschiedene Strickmuster erzeugen die besondere Optik.
Es sind die unterschiedlichen Strickrichtungen, die Spiegelungen und die acht zusammenwachsenden, geometrischen Flächen, die dem Top seinen unverwechselbaren Charakter verleihen.
Erst am Ende erkennt man, dass sich das gesamte Modell aus acht Dreiecken entwickelt hat.
Acht Dreiecke. Ein Top.
SoN macht sichtbar, wie aus Geometrie Kleidung wird.
Fazit
Das ALMA-Top zeigt, wie sich aus einfachen geometrischen Formen ein tragbares Kleidungsstück entwickeln kann. Acht Dreiecke übernehmen dabei Schritt für Schritt unterschiedliche Aufgaben – sie formen den Saum, die Seitenpartien, den Brustbereich und schließlich die Träger.
Jedes Dreieck übernimmt dabei eine bestimmte konstruktive Aufgabe. Erst ihr Zusammenspiel formt aus einfachen geometrischen Flächen ein tragbares Kleidungsstück.
So verbindet das ALMA-Top technische Raffinesse mit einer klaren, zeitlosen Gestaltung – ein typisches Beispiel dafür, wie bei der SoN-Konstruktion Form und Design untrennbar zusammengehören.
Ich hoffe, dir hat das heutige Thema "ALMA-Top – wie sich ein Strickstück in acht Dreiecke auflösen lässt" in diesem Beitrag gefallen.
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Wenn du noch andere meiner Strickkonstruktionen ausprobieren möchtest, empfehle ich dir den Beitrag "ALMA-Jacke stricken – wie aus fünf Dreiecken eine elegante Jacke entsteht" bei mir im Blog.
Und nun viel Freude beim Ausprobieren meiner Top-Konstrukion!
Sende dir ganz herzliche Strickgrüße
Irina















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