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Was ist eine SoN-Konstruktion? – Wie aus einer Masche nahtlose Kleidung entsteht

  • vor 18 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Eine Strickkonstruktion, die anders denkt


Stell dir vor, du schlägst nur eine einzige Masche an.

Keine Vorderteile. Kein Rückenteil. Keine Ärmel.


Und trotzdem wächst daraus Schritt für Schritt ein vollständiges Kleidungsstück.


Genau das macht eine SoN-Konstruktion so besonders.


Für viele Strickerinnen beginnt genau hier ein ganz besonderes Strickerlebnis. Denn mit jeder Reihe wächst nicht nur das Gestrick – sondern auch die Neugier darauf, welche Form als Nächstes entsteht.



Wenn wir an ein Kleidungsstück denken, haben die meisten Menschen ein klassisches Bild im Kopf: Ein Vorderteil. Ein Rückenteil. Zwei Ärmel. Vielleicht zusammengenähte Schultern und Seitennähte.


Auch viele moderne Strickkonstruktionen folgen diesem Grundprinzip – nur dass die Teile nicht mehr zusammengenäht, sondern direkt miteinander verbunden werden.


Die SoN-Konstruktion geht einen anderen Weg.


Sie betrachtet ein Kleidungsstück nicht als Zusammensetzung einzelner Schnittteile, sondern als geometrische, dreidimensionale Form, die während des Strickens entsteht.


Aus einer einzigen Masche entwickelt sich Schritt für Schritt ein vollständiges Kleidungsstück. Ohne klassische Schnittteile. Ohne Nähte. Mit einer Konstruktion, die direkt im Gestrick sichtbar wird.

Was bedeutet SoN?


SoN steht für Stricken ohne Naht.

Der Name beschreibt dabei nicht nur das Ergebnis – also ein Strickstück ohne Nähte. Die Besonderheit liegt in der Art, wie die Form entsteht.


Bei einer SoN-Konstruktion werden überwiegend:

  • Zunahmen

  • Abnahmen

zusammen mit

  • verkürzte Reihen

  • verlängerte Reihen

angewandt, um unterschiedliche Strickrichtungen gezielt einzusetzen. Dadurch entstehen dreidimensionale Formen direkt beim Stricken.


Das Gestrick wird nicht nachträglich geformt.

Die Form entsteht während des Strickens.

Der Ursprung der SoN-Konstruktion


Die Idee hinter der SoN-Konstruktion entstand aus meiner Auseinandersetzung mit der Frage:

Wie kann aus einer einfachen Masche ein Kleidungsstück entstehen?


Bereits während meines Textildesign-Master-Studiums beschäftigte ich mich intensiv mit der Anwendung von verkürzten und verlängerten Reihen auf Oberbekleidung.


Meine Diplomarbeit:

„Von der Socke zum Kleid – die Anwendung der verkürzten und verlängerten Reihen auf die Oberbekleidung“

bildete dabei eine wichtige Grundlage.


Auszug aus meiner Masterthesis im Bereich Textildesign aus dem Jahr 2013: Aus einem Dreieck und der Anwendung der verlängerten Reihen entsteht ein Kleidungsstück.
Auszug aus meiner Masterthesis im Bereich Textildesign aus dem Jahr 2013: Aus einem Dreieck und der Anwendung der verlängerten Reihen entsteht ein Kleidungsstück.

Durch die Verbindung von textilem Wissen, Konstruktion und geometrischem Denken entstehen und entwickelt sich daraus seit 2013 die SoN-Konstruktion.

Die Grundlage: Geometrie statt Schnittteile


Das Besondere an der SoN-Konstruktion ist die geometrische Betrachtung.

Viele SoN-Modelle entstehen aus Dreiecken.

Nicht, weil ein Dreieck nur eine schöne Form ist – sondern weil es eine besondere Funktion erfüllt.


Jedes Dreieck übernimmt innerhalb der Konstruktion eine ganz bestimmte Aufgabe. Es ist kein dekoratives Element, sondern formt den späteren Sitz des Kleidungsstücks. Manche erzeugen Weite, andere bilden eine Schulter oder entwickeln den Brustbereich.


Jedes Dreieck übernimmt eine bestimmte Aufgabe innerhalb der Konstruktion. Bei der:

  • ALMA-Jacke entstehen fünf Dreiecke, die sich zu einer tragbaren Jacke verbinden.



  • ALMA-Top entwickeln sich acht Dreiecke zu einer vollständigen Oberbekleidung.

ALMA-Top stricken


  • CARLA-Weste bildet ein großes geometrisches Element die Grundlage der Konstruktion.

CARLA-Weste stricken

Am Ende verschwinden die einzelnen Flächen und es entsteht ein harmonisches Kleidungsstück.

Warum sieht man die Konstruktion im fertigen Modell?


Bei klassischen Strickkonstruktionen wird die Oberfläche häufig durch Muster oder Farben gestaltet.


Bei SoN entsteht das Design zumeist durch die Konstruktion selbst.


Die Richtung, in der gestrickt wird, verändert die Wirkung des Gestricks.

Obwohl dieselben Maschen verwendet werden, entstehen unterschiedliche:

  • Lichtreflexionen

  • Strukturen

  • Oberflächen

  • Strickwinkel

  • Spannungen im Material

  • gestreiftes Top stricken
    gestreiftes Top stricken
  • LOLA-Socken stricken
    LOLA-Socken stricken
  • LOLA-Pullunder stricken
    LOLA-Pullunder stricken

Die Konstruktion wird dadurch sichtbar. Das Kleidungsstück erzählt, wie es entstanden ist.

Der Unterschied zu klassischen nahtlosen Konstruktionen


Nahtloses Stricken ist heute weit verbreitet. Zu den bekanntesten Konstruktionen gehören unter Anderem Raglan und Rundpasse. Auch hier entsteht das Kleidungsstück ohne Nähte – allerdings nach einem klar definierten Grundprinzip:


Beim Raglan entstehen die Ärmel entlang diagonaler Linien zwischen Körper und Ärmel. Bei der Rundpasse wird die Weite kreisförmig um den Halsausschnitt verteilt.


Die SoN-Konstruktion folgt dagegen keinem festen Grundschema. Sie entwickelt die Form aus geometrischen Flächen und verändert gezielt Strickrichtung, Spannung und Formverlauf.


So entsteht das Kleidungsstück nicht aus klassischen Schnittteilen, die miteinander verbunden werden, sondern aus der Konstruktion selbst.

Warum arbeitet SoN mit verkürzten und verlängerten Reihen?


Verkürzte und verlängerte Reihen werden beim klassischen Stricken häufig eingesetzt, um einzelne Bereiche anzupassen – etwa Fersen, Schultern oder unterschiedliche Höhen am Vorder- und Rückenteil.


In der SoN-Konstruktion übernehmen sie eine weitergehende Aufgabe:

Sie werden Teil der Formgebung.


Dadurch verändert sich nicht nur die Höhe einer Fläche. Auch Strickrichtung und Geometrie können sich verändern. So entstehen geschwungene Linien, diagonale Flächen und besondere Passformen direkt im Gestrick.


Das Gestrick wird nicht nur größer – es verändert seine Richtung und seine Form.


Eine SoN-Konstruktion beginnt fast immer mit einer Masche


Am Anfang wirkt kaum vorstellbar, dass aus dieser einzelnen Masche einmal ein tragbares Kleidungsstück entstehen soll. Mit jeder neuen Reihe wird mehr von der Konstruktion sichtbar. Erst entsteht eine kleine Fläche, dann verändert sich ihre Form, später verbinden sich einzelne Elemente zu einem Ganzen.


Diese Entwicklung ist vergleichbar mit einem geometrischen 3-D-Puzzle, bei dem jedes Teil seine Aufgabe kennt.

Warum braucht man bei SoN oft keine klassische Maschenprobe?


Bei vielen herkömmlichen Konstruktionen entscheidet die Maschenprobe über die gesamte Berechnung: Wie breit wird der Körper? Wie viele Maschen brauche ich? Wie viele Reihen ergeben die richtige Länge?


Bei einer SoN-Konstruktion funktioniert die Entwicklung anders.

Die Größe entsteht nicht ausschließlich aus einer vorher berechneten Maschen- und Reihenzahl, sondern lässt sich während des Strickens anpassen.


GIGI-Pulli als SoN-Grundkonstruktion
Alle Grössen starten gleich, egal ob XS oder 5XL, mit nur 1 Masche

Die Maschenprobe bleibt trotzdem wichtig – vor allem, um einzuschätzen, wie sich das gewählte Garn auf Fall, Volumen und Form auswirkt.

Für wen ist die SoN-Konstruktion geeignet?


Die SoN-Konstruktion ist besonders interessant für Strickerinnen, die:


  • verstehen möchten, wie Kleidung auf eine ganz andere Art entsteht

  • gerne neue Wege ausprobieren

  • Freude an außergewöhnlichen Konstruktionen haben

  • beim Stricken neugierig bleiben und sich überraschen lassen


Viele Strickerinnen beschreiben eine SoN-Konstruktion deshalb fast wie einen kleinen Krimi. Mit jeder neuen Reihe verändert sich das Gestrick ein Stück weiter. Aus einer einzelnen Masche entstehen Flächen, aus Flächen entwickelt sich eine Form – und erst nach und nach wird sichtbar, wie daraus ein tragbares Kleidungsstück entsteht.

Mo

Gerade dieses Mitverfolgen der Konstruktion macht für viele den besonderen Reiz aus. Man strickt nicht einfach nur eine Anleitung nach, sondern erlebt, wie das Modell unter den eigenen Händen wächst und seine Form entfaltet.


Für manche ist am Ende nicht nur das fertige Kleidungsstück das Schönste – sondern der Weg dorthin.

Workshop - online oder vor Ort


Genau diesen Weg kann man am besten erleben, wenn man eine SoN-Konstruktion nicht nur betrachtet, sondern selbst beginnt.


Denn auf dem Papier wirkt die Konstruktion zunächst fast abstrakt. In den Händen wird sie plötzlich verständlich: Eine Masche wird zur Fläche, eine Fläche bekommt eine Richtung, aus mehreren Flächen entsteht eine Form.

Und irgendwann hältst du das fertige Kleidungsstück in den Händen und kannst nachvollziehen, wie es aus genau diesem Anfang entstanden ist.


Du möchtest die SoN-Konstruktion nicht nur verstehen, sondern selbst erleben?

In meinem Workshop gehen wir genau diesen Weg gemeinsam: von der ersten Masche über die geometrischen Zusammenhänge bis zur entstehenden Form.


SoN-Workshop
Ein voller Kurs mit 20TN bei der langen Nach des Strickens in Hamburg, Januar 2025

Mein Fazit

Die SoN-Konstruktion ist mehr als eine Methode, um ohne Nähte zu stricken.


Sie verbindet Mode- & Textildesign, Geometrie und Handwerk.


Aus einer einzigen Masche entsteht ein dreidimensionales Kleidungsstück.

Dreiecke werden zu Flächen. Flächen werden zu Form. Strickrichtung wird zu Design.


Genau darin liegt für mich die besondere Faszination:

Bei einer SoN-Konstruktion ist die Konstruktion nicht nur der Weg zum Kleidungsstück – sie ist das Design selbst.


Man strickt nicht einfach nur ein Kleidungsstück. Man erlebt, wie es entsteht.


Aus einer einzigen Masche wächst Schritt für Schritt eine Form, aus der schließlich tragbare und gut sitzende Kleidung wird.

Genau dieses Staunen begleitet viele Strickerinnen bis zur letzten Masche – und macht jede SoN-Konstruktion zu einem besonderen Strickerlebnis.


Bei einer SoN-Konstruktion strickst du nicht nur ein Kleidungsstück – du erlebst, wie es entsteht.

Ich hoffe, dir hat das heutige Thema "Was ist die SoN-Konstruktion" in diesem Beitrag gefallen.


Gerne kannst du den Beitrag auch an andere weiterleiten oder weiterempfehlen – darüber würde ich mich sehr freuen!



Und nun viel Freude beim Aussuchen & Stricken deines passenden Modells mit einem passenden Maschenbild!


Sende dir ganz herzliche Strickgrüße

Irina

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