COCO-Weste Top Down stricken - wie eine Weste auch als Tuch getragen werden kann
- vor 2 Tagen
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Du möchtest ein Strickstück, das sich unterschiedlich tragen lässt?
Dann lohnt sich ein Blick auf die Form. Denn ob ein Kleidungsstück flexibel getragen werden kann, entscheidet sich oft schon in seiner Konstruktion.
Eine Weste ist normalerweise ziemlich eindeutig: Man zieht sie an, die Vorderteile liegen vorne, die Armausschnitte bestimmen die Form.
Aber was passiert, wenn eine Weste so konstruiert ist, dass ihre Form gleichzeitig an ein Dreieckstuch erinnert?
Dann kann aus einem Kleidungsstück plötzlich etwas ganz anderes werden.
Genau das ist die Idee hinter der COCO-Weste.
Top down Weste stricken - die Form entscheidet, wie vielseitig ein Strickstück wird
Als studierte Mode- und Textildesignerin interessiert mich bei einem Strickstück nicht nur, wie es am Ende aussieht. Mich interessiert vor allem, wie seine Form entsteht – denn genau diese Form bestimmt später, wie sich ein Kleidungsstück tragen und drapieren lässt.
Die COCO-Weste beginnt an der hinteren Mitte am Hals (s. technische Zeichnung 1)) und wird zweifädig im Perlpatenmuster von oben nach unten (Top-down) gestrickt.
Von dort wächst die Schulterpartie wie ein Dreieck nach außen. In jeder zweiten Reihe werden an vier Stellen Maschen zugenommen. Dadurch wird die Form kontinuierlich größer – ähnlich wie bei einem Dreieckstuch (s. technische Zeichnung 2)).
Erst danach entstehen die eigentlichen Westenpartien (s. technische Zeichnung ab 3)).

Für die Armausschnitte werden linkes Vorderteil, Rückenteil und rechtes Vorderteil zunächst getrennt gearbeitet (s. technische Zeichnung 3), 4), 5)). Die nicht benötigten Maschen bleiben dabei auf der Stricknadel und werden stillgelegt.
Sind die Armausschnitte fertig, werden die drei Bereiche wieder verbunden und die Weste wächst weiter in die Länge (s. technische zeichnung 6), 7), 8)).
Die Möglichkeit, die COCO unterschiedlich zu tragen, ist also keine zusätzliche Funktion. Sie entsteht aus ihrer Konstruktion. Der Schnitt ähnelt einem grossen Dreieckstuch, welches sich um den Körper legt, wenn man sie als Weste trägt.
Warum funktioniert das als Tuch?
Ein klassisches Tuch hat eine großzügige, fließende Form. Es kann über die Schultern gelegt, um den Körper gewickelt oder locker drapiert werden.
Die COCO-Weste übernimmt einen Teil dieser Form.
Durch die Zunahmen an vier Stellen entsteht bereits im oberen Bereich eine große, dreieckig angelegte Fläche. Die Vorderteile bieten zusätzlich genügend Material, um die Weste anders um den Körper zu legen.
Als Weste getragen, fällt die COCO locker über den Körper.
Anders drapiert kann sie dagegen wie ein Tuch getragen werden.
Ein und dasselbe Strickstück bekommt dadurch zwei völlig unterschiedliche Funktionen.
Das ist für mich ein schönes Beispiel dafür, dass Konstruktion im Strickdesign nicht nur bestimmt, wie etwas gestrickt wird. Sie bestimmt auch, was man später damit machen kann.
Die Länge verändert die Tragemöglichkeiten
Bei der COCO spielt auch die Länge eine wichtige Rolle: Je länger die Weste gearbeitet wird, desto größer wird der Saumumfang. Die angegebene Länge wird dabei an der hinteren Mitte gemessen. An den Seiten ist die fertige Weste etwas kürzer als an Vorder- und Rückenteil.
Tipp: Wenn du die COCO später auch als Tuch tragen möchtest, solltest du diese Proportionen bei der gewünschten Länge berücksichtigen.
Denn gerade bei einem vielseitig tragbaren Kleidungsstück gilt:
Mehr Länge bedeutet nicht einfach nur „mehr Weste“. Sie verändert auch die Art, wie sich das Strickstück drapieren lässt.
Welches Garn passt zu dieser Konstruktion?
Wenn die Form eines Kleidungsstücks gleichzeitig für mehrere Trageweisen funktionieren soll, spielt das Garn eine wichtige Rolle.
Ein Garn kann dafür sorgen, dass eine Konstruktion eher standfest und formstabil wirkt – oder weich fällt und sich leicht drapieren lässt.
Für die COCO gibt es deshalb zwei unterschiedliche Möglichkeiten:
Wool Local & SeMoka – mehr Stand
Eine Möglichkeit ist Wool Local von Erika Knight, eine naturbelassene, 100% britische Schurwolle, die eine wollige, fast haarige Oberfläche aufweist.
Wool local wird zusammen mit einer Mischung aus Alpaka, Seide & Mohair, aus SeMoka von "SoN" verstrickt. Dieses Garn ist fein, hat eine leicht haarige Oberfläche und eine sehr grosse Lauflänge von 800m auf 100g.
Die Mischung aus britischer Schurwolle & zusammen mit SeMoka führt dazu, dass die Weste ihren Stand behält und unterstützt dadurch eine etwas definiertere Form mit einer voluminösen & plastischen Strickoberfläche.
Das kann interessant sein, wenn du die COCO mehr als Weste tragen möchtest bzw. der Stand für dich wichtig ist.
Wichtig: Alle Fotos zeigen die COCO-Weste aus dem Wollpaket mit wool local & SeMoka:
Babyalpaka und Babysilk Lace – weicher Fall
Eine andere Möglichkeit ist die Kombination aus Babyalpaka von BC Garn und SoNaka von SoN. Beide Garne bestehen aus reinen Alpakafasern - Babyalpaka ist ein eher glattes Garn & die SoNaka ein gebürstetes Garn.
Hier verändert sich das Verhalten des Strickstücks.
Alpaka geht im fertigen Strickstück gerne in die Länge und fällt weicher. Genau deshalb muss die Maschenprobe bei dieser Garnkombination zusätzlich etwas gespannt werden.
Das Material verändert also die Wirkung derselben Konstruktion.
Und genau hier wird die Garnwahl zur Designentscheidung:
Möchtest du mehr Stand oder mehr Fall? Soll die Weste ihre Form deutlich zeigen oder sich weich um den Körper legen? Wird die Weste von einer Person auch als Tuch getragen, die weichere Fasern bevorzugt?
Dann empfehle ich diese Wollkombi aus der reinen Alpaka:
Warum die Maschenprobe bei Alpaka besonders wichtig ist
Gerade bei der COCO solltest du die Materialeigenschaften nicht unterschätzen:
Die Konstruktion bringt bereits eine große, sich kontinuierlich erweiternde Form mit. Wenn zusätzlich ein Garn verwendet wird, das sich nach dem Waschen und Tragen in die Länge entwickelt, kann sich die Proportion des fertigen Kleidungsstücks verändern.
Bei der Kombination aus Babyalpaka und SoNaka sollte die Maschenprobe deshalb zusätzlich etwas gespannt werden. Das ist kein nebensächlicher Arbeitsschritt, sondern ein wichtiger Arbeitsschritt.
Die Maschenprobe zeigt dir hier nicht nur, ob du die richtige Maschen- und Reihenzahl erreichst. Sie hilft dir einzuschätzen, wie sich das Material in genau dieser Konstruktion verhält.
Die richtige Größe hängt von der Brustweite ab
Auch die Form der COCO macht die Größenwahl etwas anders als bei einem klassischen, körpernahen Kleidungsstück.
Die Weite wächst durch die Zunahmen kontinuierlich an vier Stellen.
Die Bequemlichkeitszugabe an der Hüfte ist deshalb bei kleinen Größen besonders groß und wird mit zunehmender Größe kleiner:
Bei Größe XS beträgt sie ungefähr 100 cm, bei Größe 5XL nur noch etwa 55 cm.
Für die Auswahl der Größe ist deshalb vor allem die Brustweite entscheidend.
Wenn beispielsweise die Brustweite 113 cm und die Hüftweite 122 cm beträgt, wird die Größe 3XL gestrickt.
Auch daran sieht man: Eine gute Passform entsteht nicht allein dadurch, dass man seine Hüftweite mit einer Maßtabelle vergleicht. Die Konstruktion bestimmt, wo und wie die Weite entsteht.

Man könnte die Weste vorne aber auch so tragen wie den COCO-Cardigan: mit einem Gürtel drapiert:
Ein Kleidungsstück, zwei Tragemöglichkeiten
Die COCO-Weste zeigt für mich als studierte Mode- & Textildesignerin sehr schön, wie eng Konstruktion, Material und Trageweise miteinander verbunden sind:
Die dreieckige Form ermöglicht die besondere Drapierung.
Das Garn beeinflusst, ob diese Form eher Stand bekommt oder weich fällt.
Und die Länge verändert, wie großzügig sich das Strickstück um den Körper legen lässt.
Deshalb ist die Vielseitigkeit der COCO nicht einfach ein Styling-Trick. Sie steckt bereits in der Konstruktion.
Wenn du also ein Strickstück suchst, das du vielseitig tragen kannsst, ist diese ungewöhnliche Konstruktion genau der richtige Ansatz für dich.
Die COCO-Weste ist als Weste gedacht – kann aber genauso als Tuch getragen werden. Und genau das macht aus einem einzigen Strickstück zwei unterschiedliche Kleidungsstücke.
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Wenn du noch andere meiner Strickkonstruktionen ausprobieren möchtest, empfehle ich dir den Beitrag "LOLA-Pullunder stricken – nahtlose Anleitung von oben nach unten (Top-Down)"
Und nun viel Freude beim Ausprobieren meiner Westen-Konstrukion!
Sende dir ganz herzliche Strickgrüße
Irina













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