Gestreifte Modelle stricken: Wirkung, Eigenschaften und praktische Tipps - Teil 1
- strickenohnenaht
- vor 3 Tagen
- 7 Min. Lesezeit
Gestreifte Modelle stricken: Wirkung und Eigenschaften verstehen
Gestreifte Strickmodelle sind weit mehr als nur ein Klassiker – sie sind ein echtes Werkzeug,
mit dem du die Wirkung deiner Kleidung gezielt steuern kannst.
Ob schmeichelnd, streckend oder bewusst auffällig:
Die richtige Kombination aus Streifenrichtung, Breite und Farbe entscheidet darüber, wie dein fertiges Strickstück wahrgenommen wird.
Viele unterschätzen, wie stark Streifen die Optik beeinflussen. Dabei kannst du mit einfachen Techniken enorme Unterschiede erzielen – auch ohne komplizierte Muster & durch den Wechsel der Farbe.
Heute erfährst Du, welche Eigenschaften gestreifte Modelle haben, wie sie auf den Körper wirken und wie du Streifen gezielt einsetzt, um deine Strickprojekte passend zu dir, deiner Wunschsilhouette und deiner Garderobe zu stricken.
Klassische Streifen sind die perfekten Anfänger-Projekte für gestreifte Strickmodelle
Wenn wir an Streifenmodelle denken, dann fallen uns meistens Kleidungsstücke in der Kombi aus weiss & schwarz ein. Gestrickt wird dabei in Runden und die Streifen verlaufen horizontal am Körper. So wie diese vier Beispiele:
oben links: Freestyle Shirt von paulastrickt aus Bio-BW + Kaschmir
oben rechts: Moray Sweater von Coco Amour Knitwear aus reiner Alpaka
unten links: Olga Blouse von PetiteKnit aus reiner Alpaka
unten rechts: Maritime Tee von Coco Amour Knitwear aus Yak & Merino
Alle diese Modelle sind sehr klassisch, denn sie werden aus schwarzen & weissen Streifen gestrickt. Die Streifen sind dabei entweder exakt gleich in der Höhe oder die Streifen in weiss sind etwas höher als die schwarzen Streifen.
Die Wirkung von diesen gestreiften Modellen wird oft mit zeitloser Eleganz & mit maritimem Flair bzw. Breton-Look (dunkelblau-weiß) assoziiert, was frisch & sommerlich wirkt. Solche gestreiften Strickmodelle gelten zudem als sportlich & vielseitig kombinierbar, die nie aus der Mode kommen.
Feine Streifen & breite Streifen bzw. Color Blocking
Wenn wir uns fein gestreifte Strickmodelle anschauen, dann fällt direkt auf, dass je feiner die Streifen sind, desto unauffälliger und zurückhaltender ist ein Strickstück. Fein gestreifte Modelle wirken aus der psychologischen Sicht eher klassisch, strahlen Ruhe und Verlässlichkeit aus.
Dieses Beispiel für einen Sommerlook kannst Du nachstricken, wenn du dir ein passendes Top für die oben genannten Vorlieben haben möchtest:


Bei breiten Streifen und sogar Color Blocking treten die Strickstücke hervor, sie sind "lauter" als fein gestreifte Modelle & auffälliger. Psychologisch gesehen strahlen Strickstücke mit breiten Streifen ganz klar Energie aus und signalisieren Selbstbewusstsein.
Dieses Beispiel für einen mohairfreien Sommerlook kannst Du nachstricken, wenn du ein passendes Top für die oben genannten vorlieben haben möchtest:
Fazit: Grundsätzlich kann man sagen
Breite Streifen: Füllen/tragen eher auf & haben einen stärkeren optischen Effekt.
Schmale Streifen: Wirken filigraner, eleganter, figurschmeichelnder & dezenter.
Stricktipp: Wie strickt man einen fast unsichtbaren Farbwechsel?
Wenn wir in Runden stricken und den Farbwechsel für die Streifen vollziehen müssen, dann gelingt es mit einem einfachen Trick, damit wir die unschöne Treppchenbildung vermeiden können.
Ich habe auf Instagram ein Video für dich, indem Du genau das sehen kannst.
Streifenoptik aus Farb- & Musterwechsel
Neben klassischen Streifen können wir beim Stricken aber auch noch andere streifenähnliche Optiken erstellen. Dabei wird nicht nur die Farbe gewechselt, sondern auch noch mit einem Mustereinsatz gespielt. Von Weitem wirken solche Farb- & Musterkombis wie Streifen, von Nahem jedoch erkennen wir die zusätzliche Bemusterung.
Das erste Beispiel ist das Lined Loop Tee von Other Loops, das den lässigen, maritinen Look zu 100% erzeugt. Hier wechseln sich nicht nur Streifen in weiss/schwarz ab, sondern auch noch ein Muster-Wechsel zwischen 2M re/1M li.
Das Lined Loop Tee ist ein klassisches, eng anliegendes Sommertop mit einer zusätzlichen Raffinesse aus rechten & linken Maschen.
Das zweite Beispiel ist das Friday Tee von PetiteKnit , das ebenfalls aus zwei Farben & Mustern gestrickt wird. Man strickt auch hier nicht in glatt rechts - so wie bei den klassischen Streifenmodellen - sondern in einem Muster aus 1M re & 1M im Perlmuster. Die Optik ist zurückhaltend & man kann es als eine klassische Basis mit spielerischen Details beschreiben.
Das Friday Tee ist ein subtil aufgelockertes Klassikmodell, bei dem Du entscheidest, wie "stark" es in der Optik wirkt - alleine durch den verwendeten Farbkontrast.
Das dritte Beispiel ist der Sweater No. 12 von My Favourite Things Knitwear und es wird sehr ähnlich wie das Friday Tee gestrickt: zwei Farben und das Muster aus 1M re & 1M im Perlmuster. Die Farbwahl aus beige und dunkelblau wirkt klassisch. Der Unterschied sind die etwas breiteren Streifen in dunkelblau, die den Sweater präsenter erscheinen lassen als die dünneren Streifen von dem Friday Tee.
Der Sweater No. 12 überzegt durch die lässig eleganten Breton-Streifen.
Das vierte Beispiel ist das Sailors Tee von Hanne Rimmen. Das sommerliche Top hat ein streifenähnliches Muster, das jedoch nicht auf eine typische Art gestrickt wird. Die kleinen, dunklen Hervorhebungen aus der Musterfarbe wirken von weitem wie klssische Streifen.
Das Sailors Tee ist ein maritimes Strickstück, das ein Streifenbild beinhaltet, welches nicht flächig, sondern perlenartig ist.
Das fünfte Beispiel ist der Nonno Cardigan von Isabell Kraemer. Das fliessend wirkende, streifenähnliche Hebemuster in den Naturtönen prägt die ruhige & zurückhaltende Wirkung des Cardigans.
Der Nonno Cardigan ist eine lässig geschnittene Strickjacke mit weich strukturiertem Streifenmuster.
Das sechste Beispiel ist der Heimathafen Pullover von Isabell Kraemer. Es wird mit Streifen gestrickt, allerdings werden hier zusätzlich mit Hilfe eines Hebemusters die Streifen jeweils ganz sanft in die Hauptfarbe "gezogen". Der Pulli wird nur mit einem Faden in der Runde gestrickt, auch wenn es so aussieht, als ob teilweise mit zwei Fäden gearbeitet wurde. Es entstehen ganz subtil in Reihen angelegte, kleine Bötchen, die von weitem als waagerechte Streifen zu erkennen sind.
Der Heimathafen Pullover wirkt durch die maritim inspirierte Streifen klassisch & zeitlos schön. Durch die beiden Beispiele 1-mal in hellgrau + altrosa (links) und 1-mal in anthrazit + wollweiss (rechts) kann jeder für sich selbst seine eigene Farbkombi besser vorstellen und danach auch umsetzen.
Das siebte Beispiel ist der Otto Sweater für Männer & Kinder von PetiteKnit. Hier wird ein Streifenmodell gestrickt, bei dem jedoch in einigen Runden tatsächlich mit zwei Fäden gearbeit & somit 1M in wollweiss und 1M in schwarz gestrickt wird. Dieses Strickstück eigent sich gut für Anfänger von Fair Isle, weil das Farbmuster aus 1/1 besteht und man nur auf die Technik des 2-fädigen Strickens sich konzentrieren muss.
Der Otto Sweater ist zwar auf eine Art ein klassisches Streifenmodell, jedoch mit einer kleinen Extra-Herausforderung.
Das achte Beispiel ist der Robinia Sweater von Anne Ventzel. Der Pulli hat neben den Streifen noch zusätzlich Partien, wo die Streifen in den Hauptton hineinragen und die zweifädig gestrickt werden: Das Streifenmuster verbindet sich mit der Fair-Isle-Technik.
Der Robinia Sweater ist aussagekräftiges Strickmodell mit einem zweifarbigen Streifenmuster, das sich in ruhigen, streifenartigen Reihen organisiert und trotzdem ornamenvoll prägnant wirkt.

Farbkontraste als prägendes Element gestreifter Strickstücke
Bevor ich dir weitere gestreifte Modelle zeige, lohnt sich ein Blick auf die Farbwahl – denn sie bestimmt ganz wesentlich, wie ein Streifenmuster wirkt. Beim Stricken hast du die Möglichkeit, mit starken Kontrasten zu arbeiten oder die Farben bewusst nah beieinander zu halten. Beides erzeugt ganz unterschiedliche Stimmungen & Looks.
Eine Kombination aus Weiß/einem hellen Ton und einer zusätzlichen Farbe ist dabei ein verlässlicher Klassiker, denn es wirkt zeitlos und vielseitig. Je dunkler die Kontrastfarbe, desto mehr tritt das Strickstück in den Vordergrund und je sanfter der Kontrast, desto zurückhaltender wirkt ein Modell.
Hier ist ein Beispiel dazu des Seaside Tee von Coco Amour Knitwear. Links wird das Beige mit einem dunklen Blau kombiniert und ist deutlich stärker in der Wirkung als das rechte Top mit einer sanfteren Kombi aus Beige & Altrosa.
Jetzt musst Du nur noch entscheiden, welche Wirkung möchtest Du erzeugen? Auffalend oder zurückhaltend?
Grundsätzlich können wir zum Thema Farbkontraste Folgendes festhalten:
Hohe Kontraste, etwa Schwarz-Weiß oder unerwartete Farbkombinationen aus zwei "starken Farben" (z.B. den Jean Sweater weiter unten aus rot + rosa), lassen das Streifenmuster deutlich hervortreten. Sie wirken grafisch, prägnant und setzen ein klares Statement.
Niedrige Kontraste, zum Beispiel Naturtöne untereinander (siehe den Nonno Cardigan weiter oben aus grau + beige + braun), erzeugen dagegen ein ruhigeres, weicheres Gesamtbild. Das Muster tritt subtiler in Erscheinung und wirkt fast wie eine sanfte Textur.
Streifenoptik aus Farb- & Lochmusterwechsel
Und nun möchte ich dir noch weitere gestreifte Strickmodelle zeigen, die zusätzlich zu der gestreiften Zweifarbigkeit auch noch ein Lochmuster enthalten. Diese Modelle wirken durch diese Kombination leicht verspielt, bleiben aber doch immer noch elegant und je nach Farbauswahl klassisch & zeitlos schön.
Das erste Beispiel ist der Jean Sweater von kolibri by Johanna. Hier werden nicht nur die Farben Rot & Rosa gewechselt, sondern auch noch mit zwei Mustern gestrickt: kraus rechts in rot und ein Lochmuster in rosa.
Die Optik ist durch die Auswahl der beiden Farben sehr stark präsent. Zusätzlich ergibt das Lochmuster einen romantisch verspielten Look.
Der Jean Sweater ist ein feminines Strickmodell, das lebendig, grafisch und sichtbar gestaltet wirkt.
Das zweite Beispiel ist das Halo Loop Tee von Other Loops - ein Sommertop aus beigem Hauptton & roten feinen Streifen-Mustern. Ein zusätzliches Lochmuster, welches auch horizontal verläuft & streifenförmig wirkt, hinterlässt eine prägnante Gesamtoptik.
Das Halo Loop Tee ist weniger ein klassisches Streifenmodell, sondern eine gelungene Mischung aus Zweifarbigkeit, Streifen & einem Lochmuster.
Das dritte Besipiel ist das Ida Tee von PetiteKnit. Auch hier haben wir Streifen + Lochmuster, das jedoch deutlich zurückhaltender in der Optik ist als die beiden anderen gezeigten Modelle. Der Grund ist, dass die Streifen hier auf eine klassische Art vorkommen und das Lochmuster streifenförmig angelegt ist. Sowohl die Streifen als auch das Lochmuster sind hier sehr fein eingefügt und sind deutlich weniger präsent als bei den beiden oberen Modellen.
Das Ida Tee hat durch die klassischen Streifen mit zusätzlicher Lochmusterstruktur ein elegantes & zurückhaltendes Aussehen.
Fazit zum 1-Teil "Gestreifte Modelle stricken"
Gestreifte Strickmodelle haben eine vielfältige optische und psychologische Wirkung, die stark von der Art der Streifen (breit/schmal, Farbkontraste) abhängen. Gestreifte Mode gilt als der zeitlose Klassiker, der sowohl maritim-elegant als auch sportlich und auch verspielt wirken kann:
Streifen sind ein starkes Stilmittel, um Proportionen zu beeinflussen. Sie können entweder betonen oder kaschieren, je nachdem wie sie eingesetzt werden. Wir StrickerInnen können selbst beeinflussen, wie unser Gesamtlook wahrgenommen wird, weil wir die Farbkombis & die Art der Streifen selbst auswählen und umsetzen.
Meine Tipps zum Teil 1:
I. Anfänger bzw. MindlessstrickerInnen sollten zu den klassischen Streifenmuster-Modellen greifen.
II. Soll es etwas interessanter beim Stricken werden und der Look etwas komplexer, dann Streifen mit einem zusätzlichen Strickmuster wählen.
III. Du suchst eine grössere Strick-Herausforderung und ein Strickstück, das gerne im Vordergrund steht? Dann solltest Du eine komplexere Kombi aus stark kontrastreichen Streifen + Lochstrickmuster wählen.
Aber egal für welche der drei Arten Du dich entscheidest:
Streifen stricken macht sehr viel Freude & es wirkt motivierend ;-)
Da das Thema "Streifen stricken" so umfangreich ist, wird es bald noch einen 2. Teil zu diesem Thema geben. Ich werde dir aufzeigen, welche Wirkung angedeutete Streifen ohne Farbwechsel und auch senkrechte & schräge Streifen haben. Ausserdem wird es auch um die Auswirkung von unterschiedlichen Maschengrössen und die Wahl des Garnes gehen.
Ich hoffe, dir hat das heutige Thema "Streifen stricken - Teil 1" in diesem Beitrag gefallen.
Gerne kannst du den Beitrag auch an andere weiterleiten oder weiterempfehlen – darüber würde ich mich sehr freuen!
Wir lesen uns bald zum Thema "Streifen stricken - Teil 2" wieder ;-)
Und nun viel Freude beim Aussuchen & Stricken DEINES Streifenmodells!
Sende dir ganz herzliche Strickgrüße
Irina












































































