ALMA-Pulli stricken – wie aus vier Dreiecken ein Grobstrickpullover mit V-Ausschnitt entsteht
Vier Dreiecke, ein schneller Grobstrickpullover – mit einem V-Ausschnitt, der direkt aus der Konstruktion entsteht.
Der ALMA-Pulli ist ein unkomplizierter Grobstrickpullover mit einem markanten Streifenmuster aus kraus rechten Streifen. Durch das voluminöse Garn ist er schnell gestrickt – und wirkt trotzdem besonders.
SoN-Konstruktion statt klassischer Schnittteile
Wenn man einen klassischen Pullover betrachtet, denkt man meist an Vorderteil, Rückenteil und zwei Ärmel.
Beim ALMA-Pulli kann man dieselben Bereiche zwar am fertigen Kleidungsstück erkennen – aber sie entstehen völlig anders.
Es gibt keine vier fertigen Schnittteile, die anschließend zusammengenäht werden.
Stattdessen entwickeln sich die Flächen direkt aus der Strickarbeit.
Eine Masche → ein Dreieck → eine Fläche → ein dreidimensionales Kleidungsstück.
Das ist für mich die Idee hinter der SoN-Konstruktion.
SoN ist nicht komplizierter.
SoN ist anders gedacht.
Wie entsteht der ALMA-Pulli?
Alles beginnt – wie bei vielen meiner SoN-Konstruktionen – mit einer einzigen Masche.
1. Das erste Dreieck – das Rückenteil
Mit einer Masche beginnt das erste Dreieck.
Durch Zunahmen wächst die Fläche Schritt für Schritt. Dabei entsteht die für die ALMA-Konstruktion charakteristische diagonale Strickrichtung.
Das fertige Dreieck bildet später das Rückenteil des Pullovers.
2. Das zweite Dreieck – das Vorderteil
Anschließend wird ein zweites, identisches Dreieck gearbeitet.
Auch hier beginnt die Arbeit mit einer Masche und wächst durch Zunahmen zu einer größeren Fläche.
Jetzt sind die beiden großen Flächen für den Körper entstanden:
ein Dreieck für das Rückenteil und ein Dreieck für das Vorderteil.
Nachdem beide Dreiecke miteinander verbunden wurden, kann im nächsten Arbeitsschritt zusätzliche Länge hinzugefügt werden.
Anschließend werden Vorder- und Rückenteil in Runden weiter in die Höhe gestrickt.
3. Der V-Ausschnitt entsteht
Während Vorder- und Rückenteil in Runden weitergestrickt werden, wird der V-Ausschnitt direkt aus der Konstruktion heraus gebildet.
Die Form des Halsausschnitts entsteht also nicht nachträglich an einem fertig gestrickten Vorderteil, sondern entwickelt sich während des Strickens samt der Blende.
Während am rechten Vorderteil weiterhin der V-Ausschnitt gebildet wird, entsteht am rechten Rückenteil der rückwärtige Halsausschnitt. Während dieser Zeit verbleiben alle Maschen für die linke Pulloverseite ungestrickt auf der Rundstricknadel.
Damit ist der Körper des ALMA-Pullis vorbereitet.
Doch jetzt kommen die beiden Dreiecke hinzu, die den Pullover erst vollständig machen.
4. Der erste Ärmel – wieder beginnt alles mit einer Masche
Auch der Ärmel wird bei der ALMA-Konstruktion nicht als klassisches Ärmelschnittteil gestrickt.
Er entsteht aus einem eigenen Dreieck.
Wie bei den anderen Teilen beginnt auch dieses Dreieck mit einer einzigen Masche. Es wird zunächst in Reihen gearbeitet und wächst durch Zunahmen zu seiner vollständigen Form.
Anschließend wird der Ärmel in Runden weitergestrickt. Das Entscheidende dabei:
Das Dreieck bildet die konstruktive Grundlage des Ärmels.
Nach seiner Fertigstellung wird der rechte Ärmel mit dem rechten Vorder- und Rückenteil verbunden. Dafür wird der 3-needle-bind-off verwendet.
So entsteht die Verbindung direkt aus den vorhandenen Strickteilen.
5. Der zweite Ärmel – das vierte Dreieck
Der linke Ärmel entsteht nach demselben Prinzip aus einem eigenen Dreieck.
Damit sind nun alle vier geometrischen Grundformen des ALMA-Pullis entstanden:
das Dreieck für das Rückenteil
das Dreieck für das Vorderteil
das Dreieck für den rechten Ärmel
das Dreieck für den linken Ärmel
Vier Dreiecke verbinden sich zu einem dreidimensionalen Kleidungsstück. Dabei übernimmt jedes Dreieck eine bestimmte konstruktive Aufgabe. Besonders wichtig ist die Spitze des Ärmel-Dreiecks: Sie fügt sich in den Körper ein und bildet gemeinsam mit Vorder- und Rückenteil die Schulterpartie.
Bei meinen Modellen denke in Flächen, Verbindungen und ihrer räumlichen Entwicklung. Das Dreieck ist dabei kein dekoratives Element.
Es ist das konstruktive Werkzeug, mit dem der Pullover entsteht.
Die schräge Strickrichtung wird zum Design
Beim ALMA-Pulli wird die Konstruktion mit der schrägen Strickrichtung besonders sichtbar, weil die Flächen samt den krausen Streifen diagonal verlaufen.
Durch die schräge Strickrichtung versetzt sich das Streifenmuster um 45Grad ganz automatisch.
Die Konstruktion selbst sorgt dafür. Das Muster folgt der Form.
Und genau das ist einer der Punkte, die ich an meinen SoN-Konstruktionen besonders spannend finde: Form und Design werden nicht getrennt voneinander entwickelt. Die Art, wie gestrickt wird, beeinflusst gleichzeitig, wie das fertige Kleidungsstück aussieht.
Welches Garn passt zum ALMA-Pulli?
Für den ALMA-Pulli habe ich zwei unterschiedliche Garnvarianten verwendet.
Das Originalgarn für die hellbraune Variante ist ein pflanzengefärbtes Mohair/Merino-Garn von Filges mit 65 % Mohair und 35 % Schurwolle, mit einer Lauflänge von 100m auf 50g. Es wird 1-fädig verarbeitet und ergibt einen besonders weichen, haarigen und voluminösen Pullover mit Stand.
Die zweite Variante entsteht aus beiger Sonaka von SoN, einem naturbelassenen und gebürsteten Garn aus 100 % Alpaka mit einer Lauflänge von 100m auf 25g. SoNaka wird 2-fädig verstrickt. Das Alpaka wirkt im Vergleich zum Mohair ruhiger, glatter, weniger voluminös und hat einen seidigen Fall.
Gut zu wissen: Falls du den ALMA-Pulli aus einer Mohair/Seide-Mischung (mit 25g ca. 210m) stricken möchtest, dann muss das Garn 4-fädig verstrickt werden, um auf das gleiche Volumen wie der braune Original-Pulli zu kommen.
Wie immer ist es auch hier sehr wichtig, dass du die angegebene Maschenproben beachtest:
Maschenprobe im Streifenmuster, gewaschen & leicht gespannt für Mohair
10M = 10,8cm/9M = 10cm
10R = 6,4cm/15R = 10cm
Maschenprobe im Streifenmuster, gewaschen & leicht gespannt für Alpaka
10M = 10,3cm/10M = 10cm
10R = 4,8cm/21R = 10cm
Damit zeigt sich auch bei diesem Modell sehr schön:
Die Konstruktion bleibt gleich – das Garn verändert ihren Charakter.
Die richtige Grösse beim ALMA-Pulli
Beim ALMA-Pulli spielt die Bequemlichkeitszugabe eine besonders wichtige Rolle:
Orientiere dich bei der Grössenwahl nicht allein an deiner Konfektionsgrösse. Vergleiche deine Brustweite mit der fertigen Brustweite des Pullovers und berücksichtige dabei auch das verwendete Garn.
Der beige ALMA-Pulli aus Alpaka wurde beispielsweise in einer grösseren Grösse gestrickt, um eine fertige Brustweite von 102 cm zu erhalten, da die Maschenprobe mit dem Alpakagarn etwas kleiner ausfällt als beim Stricken mit dem Mohair/Merino-Garn. Bei einer Körper-Brustweite von 86 cm entspricht das einer Bequemlichkeitszugabe von 16 cm.
Beim hellbraunen Mohair/Merino-Pulli beträgt die fertige Brustweite dagegen 112 cm – bei ebenfalls 86 cm Körper-Brustweite und somit ganze 26 cm Bequemlichkeitszugabe.

Eine Testerin mit einer Brustweite von 123 cm hat sogar statt der 4XL eine XL aus dem Mohairgarn mit einer fertigen Brustweite von 130cm gestrickt. Durch die deutlich geringere Bequemlichkeitszugabe sitzt ihr der Pullover ausgezeichnet.
Mein Tipp: Je grösser die Brustweite, desto geringer sollte die Bequemlichkeitszugabe sein. Auch die Garnwahl spielt dabei eine Rolle, denn das Mohairgarn ist deutlich haariger und voluminöser als das Alpakagarn.
Fazit
Die ALMA-Konstruktion zeigt, wie aus vier Dreiecken ein vollständiger Pullover entsteht. Die diagonale Strickrichtung prägt dabei nicht nur die Form, sondern auch das charakteristische Streifenmuster.
Vier Dreiecke. Ein V-Ausschnitt. Ein Grobstrickpullover – ohne Zusammennähen.
Wenn du die ALMA-Konstruktion noch genauer kennenlernen möchtest, findest du auch meinen Beitrag zur ALMA-Jacke. Dort entsteht aus fünf Dreiecken eine komplette, nahtlose Strickjacke:
Ich hoffe, dir hat das heutige Thema „ALMA-Pulli stricken – wie aus vier Dreiecken ein geradliniger Pullover entsteht“ gefallen.
Gerne kannst du den Beitrag auch an andere Strickbegeisterte weiterleiten – darüber würde ich mich sehr freuen!
Und nun viel Freude beim Ausprobieren meiner ALMA-Konstruktion.
Sende dir ganz herzliche Strickgrüsse
Irina













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