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Gestreifte Modelle stricken: Warum schräge Streifen der Figur mehr schmeicheln - Teil 2

  • vor 1 Tag
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 9 Stunden


Im ersten Teil der Beitragsreihe "Gestreifte Modelle" habe ich gezeigt, warum gestreifte Strickmodelle seit Jahrzehnten nichts von ihrer Faszination verloren haben. Hier geht es zum ersten Beitrag: Link.


Streifen bringen Farbe ins Spiel, schaffen Kontraste und können einem schlichten Schnitt eine ganz eigene Ausstrahlung verleihen. Dabei ging es letztes Mal vor allem um die Wirkung von Farben, Streifenbreiten und deren Zusammenspiel.


Doch Streifen sind nicht gleich Streifen.


Bei meinen Modellen, also die von "Stricken ohne Naht", spielen Streifen eine weit größere Rolle als ein rein dekoratives Gestaltungselement.


Während klassische Streifen meist waagerecht über den Körper verlaufen, entstehen meine gestreiften Designs aus einer besonderen Dreieckskonstruktion. Die Streifen folgen dabei nicht einer waagerechten Linie, sondern verlaufen schräg und werden zu einem wesentlichen Bestandteil der gesamten Formwahrnehmung.


Ein wunderbares Beispiel hierfür ist der MARA-Pulli/fein:

Schräge, breite Streifen und auch ein fast senkrecht verlaufender Streifen vom Halsausschnitt nach unten zu der Seitenlinie strecken die Gesamtsilhouette des Körpers.



Halten wir den entscheidenden Unterschied fest:

Die diagonale Linienführung bringt Bewegung in das Modell, lenkt den Blick auf andere Weise auf die Silhouette und erzeugt eine Wirkung, die sich deutlich von klassischen Ringelmustern unterscheidet.


In diesem zweiten Teil möchte ich zeigen, warum diese Konstruktion für mich zu den spannendsten Gestaltungsmöglichkeiten im Strickdesign gehört und weshalb viele Strickerinnen genau diese Wirkung am Körper als besonders harmonisch empfinden.



Figurschmeichelnde Streifen-Konstruktion


Ein neues Modell aus Sotton, 100% Bio-Pima-Baumwolle: Wollweiss kombiniere ich hier mit Altrosa, das ich mit Avocado gefärbt habe.
Ein neues Modell aus Sotton, 100% Bio-Pima-Baumwolle: Wollweiss kombiniere ich hier mit Altrosa, das ich mit Avocado gefärbt habe.

Wer an gestreifte Strickmodelle denkt, hat meist waagerechte Ringel vor Augen - diese Streifen lenken den Blick von links nach rechts. Sie gehören zu den Klassikern der Strickmode und begleiten uns seit Jahrzehnten.


Bei meinen Modellen verläuft die Streifenführung jedoch aufgrund Dreieckskonstruktion stets anders: Sie laufen diagonal über das Kleidungsstück.


Dadurch werden sie nicht nur zum dekorativen Element, sondern zu einem wichtigen Teil des gesamten Looks. Die diagonalen Linien lenken den Blick, schaffen Bewegung und beeinflussen die Wahrnehmung der Silhouette auf eine ganz andere Weise als klassische Horizontalstreifen.


Schräg verlaufende Streifen strecken die Körpersilhouette.
Schräg verlaufende Streifen strecken die Körpersilhouette.


Integrierte Streifenführung


Während wir bei den traditionellen Konstruktionen,

die von oben nach unten oder von unten nach oben nahtlos und in Runden gestrickt werden, die waagerechten Streifen durch Wechsel der Farbe erzeugen, werden bei meinen Konstruktionen ebenfalls allein durch das Wechseln der Farben die schrägen Streifen erzeugt.


Der entscheidende Punkt: Wir starten bei "Stricken ohne Naht"zunächst in Reihen und stricken die Modelle zu Beginn als ein Dreieck und verbinden erst später zur Runde. So schaffen wir automatisch sowohl die schräge Strickrichtung als auch den schrägen Streifenverlauf.


Die optische Wahrnehmung ist bei schrägen Streifen also komplett anders als bei waagerechten Streifen. Wichtig ist auch festzuhalten: Je grösser die Grösse, desto mehr geht die Optik in die Breite, wenn waagerechte Streifen getragen werden.


links der waagerechte Streifenverlauf in Gr. XS,

rechts der schräge Streifenverlauf von "Stricken ohne Naht" in Gr. S



Das obere, rechte Modell während der Entstehung
Das obere, rechte Modell während der Entstehung

Optische Linienführung


Das Kinder-Tunika-Kleid aus der LARA-Kollektion zeigt ebenfalls ganz wunderbar, wie sich die Linienführung auf die Ausstrahlung des Strickstückes auswirkt:



Dieses süsse Kinderkleid,

das später ganz wunderbar als Pullunder getragen werden kann,

entsteht aus einem grossen Dreieck. Die Streifen verlaufen somit schräg am Körper von vorne nach hinten. Am Kleidrücken ändert sich die Strickrichtung und die Streifen verlaufen im rechten Winkel zu den Anfangsstreifen und erzeugen dadurch eine spannende & einzigartige Optik.



Die MARA-Weste und der MARA-Pullunder haben eine ähnliche Konstruktion, jedoch habe ich die Originalmodelle einfarbig und in Streifen aus glatt rechts und kraus rechts gestrickt:



Bei diesen Modellen kann man ganz einfach die glatt rechten Streifen in Farbe A und die kraus rechten Streifen in Farbe B stricken, um einen stärkeren gestreiften Look - ähnlich bei bei dem Kleid - zu erhalten.


Diese Kindermodelle eignen sich auch ganz wunderbar, um Restwolle zu verwerten.



Streifen – ein klassisches Gestaltungselement


Nachdem ich also vor einigen Monaten den ersten Beitrag zum Thema "Streifen stricken" erstellt habe, war ich selbst so inspiriert, dass ich in gerade 6 Tagen ein ganzes Strickstück fertig hatte ;-)


Ich habe einfach die Anleitung für den GIGI-Pulli/fein genommen, 4 Reihen in altrosa & 2 Reihen in hellgrau gestrickt und nach der Schulterpartie direkt die Ärmelblende gearbeitet. Den Halsanschluss habe ich statt 30Runden nur 10Runden hochgestrickt, um eine Rundhalsblende zu erhalten.


Voilá! Ganz einfach und doch so wirkungsvoll!



links: der GIGI-Pulli/fein einfarbig

rechts: identische Anleitung als Kurzarm-Top mit Streifen





Gestaltung statt Kaschieren: Mein Ansatz bei "Stricken ohne Naht"


So wie bei den beiden Kindermodellen aus der MARA-Kollektion können auch die übrigen Damen-Modelle gestreift zwei- oder auch mehrfarbig gearbeitet werden:

Die Partien in glatt rechts mit einer Farbe und die Partien in kraus rechts mit einer anderen Farbe.


links: MARA-Jacke

rechts: MARA-Weste





Auch die Anleitung für die ALMA-Jacke lässt sich ganz einfach für eine Streifenversion umwandeln: Die bereits sichtbaren Streifenpartien werden 4R hoch gestrickt. Man könnte also bei diesem Modell immer nach jeweils 4R die Farbe wechseln. Oder man strickt 2R in glatt rechts mit einer Farbe und die die nächsten 2R in kraus rechts mit einer anderen Farbe, um noch feinere Streifen zu erhalten.




Und, habe ich dich inspirieren können, eines meiner Modelle auch mal gestreift zu stricken? Es mach einfach unglaublich viel Spass!


Da das Thema Streifen noch so viel Potential hat, werde ich in Kürze auch noch Teil 3 veröffentlichen.


In der Zwischenzeit findest Du hier Teil I und einen gesamten Beitrag zu meinem gestreiften Kurz-Arm-GIGI in altrosa und hellgrau mit Tipps und Tricks.


Und nun viel Freude beim Aussuchen & Stricken DEINES Streifenmodells!


Sende dir ganz herzliche Strickgrüße

Irina





 
 
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